Die Religionen der Welt

 

"Wenn 670 verschiedene Religionen, Kirchen, Konfessionen und Kulte dieser Erde sich im Besitz einer „göttlichen Wahrheit“ wähnen, dann müssen 670 göttliche Teilwahrheiten, falls es sich denn um solche handelt, zusammengenommen eine größere Wahrheit über Gott offenbaren".

(unbekannt)

 

 

Am Anfang steht die Frage: Wer bin ich? Diese Frage des Menschen nach sich selbst, nach Sinn und Ziel seines Lebens, nach dem Weg zu echter Liebe, zu wahrem Glück und bleibendem Leben, - wird besonders drängend in den Erfahrun­gen von »Sinnlosigkeit«: Warum Hass und Unterdrückung, warum Leid und Not, warum Sterben und Tod, welchen Sinn ha­ben sie?

Das Leben der Menschen erscheint wie ein verschlungener Weg, über dessen Orientierung sie seit dem Beginn ihrer Geschichte nachge­dacht, nach Antworten und Lösungen ge­sucht - und auch, wenn auch nur teilweise,  gefunden haben.

 

"Der religiöse Mensch ist etwas ganz anderes als der Mensch, der einen religiösen Glauben hat. Man kann nicht religiös und zugleich ein Hindu, ein Moslem, ein Christ, ein Buddhist sein ... Im geistigen Zustand des religiösen Menschen gibt es keine Furcht und daher keinerlei Glauben, sondern nur das, was ist - was tatsächlich ist".

(Jiddhu Krishnamurti)

 

Religion - was ist das?

Die Art, wie der Mensch seine Umwelt, die Welt insgesamt und ihren Sinn sowie sein Dasein in der Welt anschaut und beurteilt, nennt man Weltanschauung. Diese sucht einen umfassenden Sinnzusammenhang aller Dinge in der Welt, eine Gesamtschau und Deutung der Wirklichkeit aus einem einheitlichen Prinzip.

In dem Augenblick, da Menschen aus einer Weltanschauung die Konsequenzen für ihre Lebensführung ziehen, wo sie aus gemeinsamen Wert- und Zielvorstellun­gen, die für sie sinnstiftenden Charakter haben, ihr Leben normativ gestalten, be­ginnt Religion, ein spezifischer Bezug zwischen den Menschen einerseits und dem »Transzendenten« andererseits. Gott, das Göttliche, die Götter und Dämonen werden grundsätzlich als existenziell erfahrbar, partiell beschreibbar, jedoch als rationalem Verstehen allein niemals vollständig erschließbar erlebt.  Der Begriff „Religion“ wird aus dem Lateinischen „religio“ = Gottesfurcht abgeleitet und erlaubt drei weitere Herleitungsmöglichkeiten:

 

      1.Sich stets erneut hinwenden zu“ (relegere).                                           

2.Sich zurückbinden“ an einen ersten Ursprung (religari).

3.Wiedererwählung“ des rechten Zieles in Reue und Umkehr   

         (reeligere).  

            

Dies deutet zugleich auf die diversen Möglichkeiten religiöser Verhaltensweisen hin. Dabei thematisiert Religion die Fragen nach „Gut“ und „Böse“ und nach letzten absoluten „Wahrheiten“ hinter aller Wirklichkeit.

 

 

Religion und Religionen

Die Anzahl der Religionen in Vergangen­heit und Gegenwart ist überaus groß; so verzeichnet zum Beispiel das Lexikon »Knaurs großer Religionsführer« (Mün­chen 1986) insgesamt 670 verschiedene Re­ligionen, Kirchen und Kulte mit ihrer je eigenen religiösen Überzeugung und Kult­praxis. Die Anhänger der einzelnen Reli­gionen und Konfessionen in der Welt wer­den durch die Religionsstatistik erfasst. Da­nach sind heute  ca 84 % der Weltbevölkerung Anhänger einer Reli­gion, wobei der Anteil der Christen allein ca. 31 % beträgt, das heißt, die Christen ma­chen ca. 37,0 % aller Anhänger der Religionen aus. Aus diesem Grunde, und da sich diese Web-Site aus dem christlichen Kulturkreis heraus entwickelte, wird als Schwerpunkt und Leitfaden innerhalb dieser Betrachtungen die christliche Religion zugrunde gelegt.

Die interreligiösen Beziehungen unter den verschiedenen Religionen und Kon­fessionen sind im Laufe der Religionsge­schichte bis in unsere Tage oft bestimmt durch starre Dogmen, Missionen und Religionskriege   einer­seits, wie durch Religionsgespräche und Ökumene andererseits. Die kriegerischen Auseinandersetzungen spiegeln den ideologischen Charakter der daran beteiligten Reli­gionen und Konfessionen wider, so zum Beispiel in Israel (Juden/Muslime) und im Libanon (Christen/Muslime), auf Sri Lanka (Buddhisten/Hindus), in Kaschmir (Hin­dus/Muslime) und im nordindischen Pun­jab (Hindus/Sikhs), im Irak (Bush-Administration als Vollstrecker einer göttlichen Mission des Christengottes/arabisch-islamische Welt, irakische Sunniten  im „Dschihad“ (Heiliger Krieg) . Auch innerhalb ein­zelner Religionen und Konfessionen bil­den sich gegensätzliche Profile und manchmal so­gar einander bekämpfende Richtungen heraus, die mit Fanatismus (von lateinisch fanaticus = »schwärmend, rasend«), das heißt mit religiös motivierter, übersteiger­ter und unduldsamer Leidenschaft, für die jeweils angeblich bessere Idee   eintreten. Bei­spiele dafür boten unter anderem in Nordirland die Katholiken und Protestanten, also zwei christliche Konfessionen, in Afghanistan und im Irak die Sunniten und die Schiiten, auch die verschiedenen Richtungen in der Anglikanischen Kirche lassen sich nicht mehr unter einen Hut bringen.

Andererseits wird das Bemühen um Stif­tung und Erhaltung von Frieden und Eini­gung sowie um Zusammenarbeit vor allem auf ethischem Gebiet bei den Weltkon­gressen und Weltkonferenzen der Religio­nen und in der Ökumenischen Bewegung der Christen deutlich. Ein sichtbares Zei­chen dafür war die Versammlung der Ver­treter der christlichen Kirchen und der Weltreligionen zu einem Weltgebetstag für den Frieden am 27. Oktober 1986 in Assisi und der Ökumenische Kirchentag (Mai/Juni 2003) in Berlin.

 

Religion, Staat, Staatsreligion

Im Verhältnis von Religion und Staat gab und gibt es unterschiedliche Entwicklun­gen:

1. Die Religion als Beherrscherin des Staates wird in der Theokratie deutlich, in welcher der Herrscher zugleich als Stellvertre­ter einer Gottheit auftritt, wie zum Beispiel in Altägypten und im konfuzianischen China, im shintoistischen Japan (bis 1945) und in Altisrael, im römisch-katholischen Kirchenstaat, bei der frühmittelalterlichen Zweischwertertheorie und in frühen isla­mischen Staaten. (Papst Gelasius I. (492 - 496) formulierte das Verhältnis von Papsttum (sacerdotium) und Kaisertum (regnum) als zwei gemeinsam die Welt regierende Mächte (Zweischwertertheorie); 1302 erklärt Papst Bonifaz VIII die Vorherrschaft des Papstes auf Grund der Zweischwertertheorie: der Papst kann geistliche u. weltliche Vollmachten frei vergeben, der Papstgehorsam sei heilsnotwendig.  Erst Leo XIII. distanzierte sich 1885 offiziell davon).

2. Der Staat übt die Herrschaft über die Religion aus, das heißt, er anerkennt sie und macht sie seinen Zwecken dienstbar, zum Beispiel als Staatsreligion oder Staatskirche, die das allein öffentlich zuge­lassene oder das rechtlich bevorzugte Be­kenntnis in 46 Staaten darstellt: unter an­derem im Hinduismus in Nepal und im Buddhismus in Thailand und Bhutan, im Christentum in Bolivien, Dänemark und Griechenland sowie im Islam in Iran, Irak und in Libyen. Die mit dem Staat in engster (auch verwaltungsmäßiger) Ver­bindung stehende (Mehrheits-)Religion ist mit Privilegien ausgestattet, wohingegen die anderen (Minderheits-)Religionen eventuell nur geduldet oder sogar ge­waltsam unterdrückt, ja durch die Staats­gewalt verfolgt werden. Beispiele dafür bietet die Geschichte mit den Verfolgun­gen der Christen und Juden, der Hugenot­ten und Baha'is.

3. "Zivilreligion" nennt man eine Verknüpfung von Politik und Religion, wie sie zum Selbstverständnis der USA gehört. Religion und Politik vermischen sich auf diffuse und irrationale Weise, die Politik ist der Vollstrecker einer messianischen Idee. George Washington sah in der Bildung der Vereinigten Staaten die göttliche Vorsehung am Werk. Die neue Nation war geschaffen, um Gottes Plan auf der Erde zu verwirklichen. Präsident Wilson sah Amerikas Aufgabe, die Welt zu retten, Roosevelt wollte sie für die Demokratie retten. Ähnlich beschworen alle Präsidenten Amerikas "rettende Mission". Beim damaligen Präsidenten Bush kommt zum Protestantismus noch der Fundamentalismus dazu, denn die Evangelisten, denen er seine Bekehrung vom Alkoholiker und Versager verdankt, stehen in dieser fundamentalistischen und sogar apokalyptischen Tradition und haben ihm das Bewusstsein seiner weltgeschichtlichen Sendung im Kampf zwischen "Gut" (Amerika) und "Böse" (Rest der Welt) vermittelt, wobei Europa die Rolle des Antichristen spielt. Es waren Gottes Kriege, die Bush führen musste. Er war das Instrument Gottes im Kampf gegen das Böse. Sein politisches Amt war eine Art "Heilsprojekt".

4. Bei einer Trennung von Religion und Staat stehen beide in einem Verhältnis der Unabhängigkeit zueinander, und die bei­derseitigen Einflusssphären sind abge­grenzt, wofür zum Beispiel die Freikirchen eintreten. In zahlreichen Verfassungen ist die Religionsfreiheit als bürgerliches Recht des einzelnen auf das freie Bekenntnis zu einer Religion, Konfession und Weltan­schauung und zu ungestörter Religions­ausübung verankert.

5. Welche erneuernde Kraft für einen Staat und seine Gesellschaft von der Reli­gion ausgehen kann, zeigen die jüngeren Entwicklungen in den Staaten Osteuropas. So waren die evangelischen Kirchen in der DDR zum Hort der vom Staat unterdrück­ten und verfolgten Bürger geworden. Sie feierten mit ihnen Gottesdienste, zum Bei­spiel die Friedensgebete in der Berliner Gethsemanekirche und in der Leipziger Nikolaikirche, nach denen sich immer wie­der Menschen zu Demonstrationen für Freiheit und Menschenrechte formierten und damit die friedliche Oktoberrevolu­tion auslösten.

6. Die gegenwärtige Situation der Religionen ist einerseits durch einen weltweiten, schwer zu überblickenden religiösen Pluralismus sowie das Wirken fundamentalistischer Bewegungen innerhalb der Weltreligionen gekennzeichnet, andererseits (besonders in Westeuropa) durch die (zunehmende) »Entkirchlichung« (Säkularisierung) breiter Bevölkerungsgruppen in Staat und Gesellschaft.

 

 

 

Namen

 

Anhänger

 

% der Weltbevölkerung

 

 

 

1. Christentum

    2,1 Milliarden

30,66

2. Islam

    1,5 Milliarden

21,90

3. Hinduismus

    900 Millionen

13,14

4. Trad. chinesische Religionen     394 Millionen

 5,75

5. Buddhismus

    376 Millionen

 5,49

6. Stammesreligionen

    300 Millionen

 4,38

7. Trad. afrikanische Religionen     100 Millionen

 1,46

8. Sikhismus

      23 Millionen

 0,34

9. Spiritismus       15 Millionen

 0,22

10. Judentum

      14 Millionen

 0,2

11. Baha'ismus

        7 Millionen

 0,1

12. Jainismus

        4,2 Millionen

 0,06

13. Shintoismus         4 Millionen

 0,06

andere Religionen

      11,5 Millionen

 0,17

 alle Religionen

 Säkulare (nicht religiös)

 5,7487 Milliarden

 1,1       Milliarden

 83,93

 16,07

Quelle: adherents.com 2007

 

Merke: "Wenn die Christenheit seit den Tagen der Alten Kirche betet: Dein Reich komme! Dann bittet sie damit auch indirekt um das Vergehen der Kirchen. Am Ende der Religionsgeschichte steht nicht der Sieg des Christentums, schon gar nicht der Katholiken, Protestanten oder Orthodoxen (der Alleinvertreter, Profilbewahrer, oder Fundamentalisten), sondern das Reich Gottes, in das alle Religionen, Kirchen und Konfessionen eingehen werden".

(Heinz Zahrnt, dt. Theologe, 1915-2003)

 

 

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