Biblische (christlich – jüdische) Gottesbilder

 

Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde

 

"Wenn Dreiecke einen Gott hätten, würden sie ihn mit drei Ecken ausstatten".
(Charles-Lois Baron de Montesquieu, fr. Philosoph, 1689-1755)

 

Theologische Systeme, (philosophisch und psychologisch aufgemischt)  mit einer eigenen, dem Laien nur schwer zugänglichen Terminologie (der eigentlichen metaphysischen "Theologie"),  nicht verifizierbaren Mysterien und  „heiligen“ Ritualen. welche den "Glauben"  der einfachen Leute mitbestimmen, bilden innerhalb der theistischen Religionen notwendigerweise Hierarchien und Machtstrukturen heraus, wobei die religiöse Elite, die Führungsgremien,  sich selbst und ihr Handeln durch  eine  direkte oder indirekte Autorisierung Gottes rechtfertigen (z.B. durch die vermeintliche apostolische Sukzession in welcher durch Handauflegen "Gottes Geist", der "Heilige", überspringt). Somit sind die "Geweihten" auch in der Lage, durch Vermittlung des "Heiligen Geistes", den Willen  Gottes zu interpretieren und folglich  können sie die Vollmacht für die Weitergabe der Lehre über Gott für sich beanspruchen.. Die "Gottesbilder"  der Theologen sind deshalb stets auch offene oder versteckte Machtinstrumente in hierarchischen kirchlichen Strukturen

Es ist an dieser Stelle angebracht, einen kurzen Blick auf die Theologie zu werfen.

Der Begriff theologia hat seinen Ursprung in der griechischen Antike. Dort bezeichnete Theologie, die "Rede von Gott", das Singen und Erzählen  von Göttergeschichten (gr. mythein). Der älteste Beleg für dieses mythische Verständnis von Theologie findet sich in Platons "Staat" (379a). Platon legt an die Göttermythen der von ihm kritisierten Theologie den kritischen Maßstab der Frage nach der Wahrheit als dem Einen, Guten und Unveränderlichen an und er war der Überzeugung, Theologie müsse in ihren frühen Stadien mythologisch sein, (sozusagen)...eine "therapeutische Lüge", doch mahnt er, sie niemals wörtlich zu nehmen. Bei Aristoteles zeigt sich dann eine Umprägung des Theologiebegriffs: Theologie als die oberste der theoretischen Wissenschaften richtet sich hier nun auf das Göttliche als dem ersten und eigentlichen Prinzip (Metaphysik (Aristoteles) 1064a/b). Die Theologie hatte sich somit von den mythischen Erzählungen hin zur Metaphysik gewandelt. (In neuerer Zeit erfolgte dann eine weitere Umprägung, denn Theologen wie Karl Barth z. B. erweiterten den Begriff "Theologie" zur "Teleologie" als "Gottes Rede zu den Menschen").

"Theologie" bezieht sich in der Regel auf eine bestimmte Religion bzw. Konfession. Hierbei werden nicht nur die dargestellten Inhalte, sondern oft auch die Denkweisen und angewandten Methoden von der jeweiligen Religion bzw. Konfession bestimmt. In der wissenschaftlich betriebenen (christlichen) Theologie wird genau diese Tatsache der Denkweisen und Methoden  in der Regel selbst noch einmal problematisiert bzw. reflektiert.

Heute jedoch wird von vielen Wissenschaftstheoretikern der Theologie aufgrund ihrer Bekenntnisgebundenheit die Wissenschaftlichkeit abgesprochen und ihre Präsenz an staatlichen Universitäten in Form von theologischen Fakultäten kritisiert.

Ein nie geklärtes Problem der Theologie ist das "Theodizee" - Problem, die Frage: Wie kann Gott das Unheil in der Welt überhaupt zulassen, wenn er doch ein guter und liebender Gott sein soll? Es verstößt doch gegen die Vorstellung von Gott, dass Gott schwächer als etwas sein soll. Wenn er für alle Dinge dank seiner Allmacht zwar vorsorgen kann, aber nicht will, dann müsste man ihn für missgünstig halten, und wenn er weder will noch kann, dann ist er sowohl missgünstig als auch schwach, wie die Frevler von Gott behaupten. Allem Anschein nach sorgt der Gott nicht für die Dinge in der Welt. Wenn er aber für nichts Vorsorge trifft und es kein direkt von ihm abzuleitendes Werk gibt und auch keine Wirkung, dann vermag man nicht zu sagen, woher erkannt wird, dass es Gott gibt, wenn er doch weder aus sich selbst erscheint noch durch irgendwelche Wirkungen erkannt wird. Auch deswegen also ist unerkennbar, ob es Gott gibt. (Sextus Empiricus, Grundriß der pyrrhonischen Skepsis, 3, 11, )

Genau an diesem Punkt fängt der Glaube und die Theologie an. (es muss doch etwas Höheres geben!)

 Theologie versteht sich als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Quellen des christlichen Glaubens: Biblische Theologie (Altes Testament, Neues Testament); Historische Theologie (Kirchengeschichte), der systematischen Analyse und Darstellung des Glaubens (Systematische Theologie, Religionsphilosophie, Ethik, Kirchenrecht, besonders aber Fundamentaltheologie und Dogmatik) und der Glaubenspraxis (Praktische Theologie, Religionspädagogik).
Christliche Theologen in der alten Kirche waren häufig Bischöfe, im Mittelalter in der Regel Ordensleute. Mit der Entstehung der Universitäten als Ordenshochschulen im Mittelalter bildete die Theologie meist die erste Fakultät und wurde dann  akademisch im eigentlichen Sinne insbesondere aufgrund der "Summa theologica" von Thomas von Aquin, der Theologie in erster Linie als spekulative, theoretische Wissenschaft ansah.
Die Reformatoren betonten mehr den praktischen Aspekt der Theologie. Praktische Wissenschaft war die Theologie in dem Sinne, dass sie ganz auf die Zueignung des Heils durch Gott, also den praktischen Vollzug des Glaubenslebens bezogen war. In diesem Sinne bestimmten auch zahlreiche Vertreter der lutherischen Orthodoxie die Theologie als eine scientia practica, die allerdings in ihrer Durchführung auch Anleihen bei der theoretischen Wissenschaft machen müsse. Deshalb gewannen die theologischen Systeme der lutherischen Orthodoxie vielfach äußerlich einen ähnlichen Charakter wie die alten scholastischen "Summen" ("summae", siehe oben "Summa theologica"), waren inhaltlich aber anders angelegt und auch in ihrem systematischen Aufbau (der sich an den analytischen Ordnungsstrukturen des Aristoteles anlehnte) stärker auf die Glaubenspraxis hin ausgerichtet.

Die Unterscheidung der Theologie als Wissenschaft von der Glaubenspraxis einerseits und andererseits der unmittelbaren Erkenntnis des Glaubens, wird ab der Aufklärung umgekehrt: Schleiermacher begriff  Theologie als eine positive Wissenschaft, die auf die Kirchenleitung bezogen ist. Während die Unterscheidung von Theologie und Glaube bis heute für den theologischen Diskurs maßgeblich ist, bleibt die Ausrichtung der Theologie auf die Kirchenleitung, die Führungsgremien, die "Elite", umstritten. Im Weiteren beschäftigen wir uns mit "Glauben", mit Entstehung und Hinterfragung des Bibelglaubens.
 

"Das Erste Gebot, man solle sich kein Bild von IHM machen, muss wohl vor allem als Berufsverbot für Theologen verstanden werden."

(Aus einem Internet - Forum)

 

Der Gott des Alten Testamentes

 

Streng genommen, gibt es in der Bibel keinen durchgehenden einheitlichen "Gottesgedanken", sondern nur die Abfolge immer neuer Bilder von dem einen und selben Gott im Wechsel der Zeiten.

(Heinz Zahrnt, Theologe)

 

Die jüdische Religion hat im 7./6. Jahrhundert v. Chr., aus älteren Wurzeln, den  Monotheismus geschaffen, der die universale Macht und Geltung Jahwes zum Inhalt hat. Nach neueren Forschungsergebnissen, die abweichende Traditionen nicht von vornherein "wegerklären", gab es allerdings noch längere Zeit ein Nachwirken polytheistischer Vorstellungen, die sicherlich auch die spätere binitarische und trinitarische Entwicklung im Mittelmeerraum begünstigt haben. (Siehe auch M4).

Der alte Polytheismus ist z. B. noch erkennbar in Dtn 32, 8f im Nebeneinander des mächtigeren El (Elyon) und Jahwes, in Dan 7, 13-14, wo ein alter Gott die Herrschaft an einen jüngeren Gott, der als "Menschensohn" bezeichnet wird übergibt und in den Weisheitsbüchern, in denen "Frau Weisheit" auftritt, die sich auch personifiziert in Spr 8 als Gottes Liebling, der vor ihm spielt, wieder findet. Prinzipiell jedoch stand der Monotheismus im Mittelpunkt der jüdischen Frömmigkeit und Theologie und wurde auch von Jesus, so wie er geschildert wird, geteilt. Zwar kannte man auch dann noch eine gewisse Differenzierung zwischen Jahwe selbst und seinem Handeln in der Geschichte (Wort Jahwes, Geist Jahwes, Weisheit Jahwes, diese Unterscheidung aber blieb grundsätzlich in die Einheit Jahwes integriert, sodass der Monotheismus gewahrt wurde. Jahwe ist "Geschichtsgott" der der Welt gegenübersteht, der "ganz andere", der ontologisch andere, ohne irgendeine naturale Verwandtschaft mit der von ihm geschaffenen Kreatur.

Die Entstehung des Alten Testamentes der Bibel deckt einen Zeitraum von über 1000 Jahren ab (älteste Lieder, z.B. Ri 5 ca. 1100 v. Chr. bis 1/2 Makk, Weish ca. 100 v. Chr.), sodass ein schwerpunktmäßiger Wandel   des Gottesbildes  innerhalb einer so großen Zeitspanne  nur zu verständlich ist. Jack Miles trägt in seinem Buch „Gott,  Eine Biographie“( Hanser 1996, ISBN 3-446-17414-1), diesem Umstand Rechnung und schildert den einen Gott als: "Schöpfer (1 Mose 1-3); Zerstörer (1 Mose 4-11); Freund der Familie (1 Mose 25,12-50,18); Befreier (2 Mose 1,1-15,21); Gesetzgeber (2 Mose 15,22-40,38); Lehnsherr (Lev, Num, Dtn); Eroberer (Jos, Ri); Vater (1 u. 2 Sam); Schiedsrichter ( 1 u. 2 Kön); Scharfrichter (Jes 1-39); Heiliger (Jes 40-60); es folgen: Gattin, Ratgeber, Garant, Satan, Schläfer, Zuschauer, Einsiedler, der Alte an Tagen, Rätsel, Abwesenheit, Schriftrolle, Immerwährender Kreiskanon" und er fragt sich zum Schluss, ob Gott danach sein Interesse am Menschen verloren hätte! Ein durch und durch vermenschlichter Gott mit allen subjektiven menschlichen Attributen.

 

Schöpfergott

Vatergott

                       

**+++**

 

Der Gott des Neuen Testamentes

 

Unsere Aussagen über Gott, über seine Person, über seine Eigenschaften, über seine Handlungen sind indirekte, symbolische Aussagen, und es kommt darauf an, dass die Symbole nicht wörtlich verstanden und für das Göttliche selbst gehalten werden. Wer das tut, verfehlt das Symbol und macht Gott zu einem menschlichen Götzen.

(Heinz Zahrnt)

 

Das Christentum bekannte sich von Anfang an zu Jesus Christus als der normierenden Instanz für Theorie und Praxis; deswegen musste es sich vom Judentum trennen und die »Freiheit vom Gesetz« verkünden, ohne die jüdische Religion und ihre Schriften zu verwerfen; diese wurden vielmehr als Vorgeschichte Jesu im Sinne einer Verheißung aufgefasst, die in Jesus Christus erfüllt war.

Philon von Alexandrien (ca. 25 v. – 50 n. Chr.), Vertreter des „Alexandrinischen Eklektizismus“  postulierte im Rückschluss auf Platon den Inbegriff der Ideen als den „Logos“ -  die weltdurchwaltende Vernunft. Der Logos ist nicht mit Gott identisch, sondern nimmt die zweite Stelle nach Gott ein. Er  wird von Philon Gottes Sohn genannt. Er ist der Vermittler Gottes zu den Menschen und der Fürsprecher der Menschen vor Gott. (Siehe dazu auch: Jesus als Logos M18).  

Für die Heidenchristen war dann Jesus Christus derjenige, der beiden Welten angehörte, der Welt des Geistes, des Wissens, der Unsterblichkeit Gottes, und zugleich der Welt der Menschen. So kann er als Gottmensch  zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit vermitteln. Seine theologische Ausformulierung fand dieser Aneignungsprozess Jesu in der hellenistischen Welt in der Zweinaturenlehre (wahrer Mensch und wahrer Gott). Später wurde seine Gottheit verabsolutiert. (Siehe dazu auch: Jesus als Mythos M21).

Die ersten bildhaften Darstellungen von Jesus Christus stammen aus dem 3. Jh. n. Chr. und sind in den römischen Katakomben zu finden. Anknüpfend an  Darstellungen in heidnischen Grabkammern, sind die Darstellungen an den Wänden der christlichen Begräbnisstätten eher heiterer Natur. Vögel und andere Tiere, Blumen und andere Pflanzen und allegorische Figuren wie der "Gute Hirte" als Symbol des Lebens wurden von den Christen übernommen. Jesus wird dargestellt als Lehrer und Philosoph in weißer Tunika, mit jugendlichem, oft bartlosem Gesicht oder als Wunderwirker mit dem Stabe, und als Auferstandener. Kreuzigungsszenen fehlen.

Nachdem im 4. Jh. n. Chr., beginnend mit Kaiser Konstantin, das Christentum Staatsreligion wurde, änderte sich auch die Darstellung Jesu, der nunmehr mit den Gewändern der Herrscher und den Insignien der Macht, als "Pantokrator" = Weltenherrscher, ausgestattet wurde.

Erst ab dem 5. Jh. n. Chr. tauchen erste Kreuzigungsszenen auf, die dann für das Mittelalter maßgebend wurden.

Heute sind sowohl das Kreuz und der gekreuzigte Christus, wie auch Bilder vom „guten Hirten“, vom „Auferstandenen“ und dem „Helfer und Heiler der Bedrängten“ häufig dargestellte Symbole des christlichen Glaubens.

 

Christusköpfe 3. Jh.

 

Christus als Lehrer 3. Jh.

 

Der gute Hirte 3. Jh.

 

Christus allegorisch als Orpheus

 

Christus der Wundertäter 3. Jh.

 

Christus als Pantokrator 4. Jh.

 

Erste Kreuzigungsdarstellung 5. Jh.

 

 

 

Weitere Christusdarstellungen

 

 

 

Christusbilder

 

 

 

 

 

 

Mit dem Neuen Testament entstand nach und nach die christliche „Heilige Schrift“, in deren Folge aber das Bild der Gottheit verworrener und mysteriöser wurde, denn mit der auf den 4 ersten "heiligen"  Konzilien  verabschiedeten Trinität, dem dreifaltigen Gott, Vater, Sohn  und Heiliger Geist, aber dennoch nur ein Gott [d.h. das eine göttliche "Wesen" (Usia, Gottsein in sich) existiert in dreifachem "Personsein", wobei die "Personen" (Hypostasen) in Gott gerade nicht durch das konstituiert sind, was sie "in sich" sind..., sondern durch ihren Bezug aufeinander] konnten selbst viele Theologen nichts anfangen.

(Anselm von Canterbury (1033 - 1109), Heiliger und Kirchenlehrer: "Siehe, es leuchtet ein, dass es jedem Mensch frommt, an eine unaussprechliche dreifache Einheit und 'eine' Dreiheit zu glauben; und zwar an 'eine' Dreiheit wegen der 'einen' Wesenheit, 'dreifach' aber und 'Dreiheit' wegen der 'drei' - ich weiß nicht was".

Carl Gustav Jung berichtet von seinem Konfirmandenunterricht bei seinem Vater, einem protestantischen Pastor: "Der Katechismus langweilte mich unaussprechlich. Ich blätterte einmal in dem kleinen Büchlein, um irgend etwas Interessantes zu finden und mein Blick fiel auf den Paragrafen über die Dreieinigkeit. Das interessierte mich und ich erwartete mit Ungeduld, bis der Unterricht zu jenem Abschnitt vorrückte. Als nun die ersehnte Stunde kam, sagte mein Vater: "Diesen Abschnitt wollen wir überschlagen, ich begreife selber nichts davon". Damit war meine letzte Hoffnung begraben. Ich bewunderte zwar die Ehrlichkeit meines Vaters, was mir aber über die Tatsache nicht hinweg half, dass von da an alles religiöse Gerede mich tödlich langweilte".) 

 

Die Zahl 3 war im Altertum eine heilige Zahl, da sie als erste Zahl des Ganzen „Alles“ enthält – laut Aristoteles hat sie einen Anfang, eine Mitte und ein Ende und begegnet uns überall, wo etwas erschaffen wird, z. B. in der Triade "Erde - Himmel - Unterwelt", oder „Vater – Mutter – Kind“,  "Geburt - Leben - Tod, in der sumerischen Kultur "An (Himmel) - Enlil (Sturm) - Enki (Grundwasser)", in der altägyptischen Mythologie „Isis – Osiris – Horus“, im Hinduismus „Brahma  (Allgott) – Vishnu  (Erhalter) – Shiva (Zerstörer)“, in der altrömischen Religion bei der capitolinischen Trias "Jupiter - Juno - Minerva".

Mit der Vermittlung des Christentums in die hellenistische Welt wurde sowohl kultisches Gedankengut von bereits vorhandenen Religionen übernommen, als auch hellenistisch philosophisches Denken. So wurden zum Beispiel dem aus dem alten Persien stammenden Mithraskult viele Grundzüge entlehnt, wie  die Ideale der Frömmigkeit und Nächstenliebe, die Taufe, der Ritus der Kommunion, der Gebrauch von Weihwasser, die Anbetung der Hirten bei Mithras' Geburt, die Ernennung des Sonntags und des 25. Dezember (Mithras Geburtstag) zu heiligen Tagen sowie der Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, an das letzte Gericht und die Wiederauferstehung.

Religionsphilosophisch   brachte man biblische Gottesvorstellung mit griechischer Naturphilosophie, Platonismus, stoischer Ethik, Kynismus und Neuplatonismus zusammen und leitete daraus ein metaphysisches Gottesbild ab, nach dem Gott allmächtig, allweise, und allgütig sei; "Gott konnte somit zugleich der personen-analog  anzusprechende Adressat der Christen sein und auch, durch Vermittlung des Logos aus der griechischen Philisophie, immanentes Schöpfungsprinzip und "Subjekt" der Offenbarung, Inkarnation und Heiligung. Die Erweiterung der "Doppelung" (Gott - Logos) zur Trinität lag kulturgeschichtlich durchaus nahe, war aber im wesentlichen eine Konsequenz, die man später aus den triadischen Formeln des Neuen Testamentes, vor allem aus dem Taufbefehl, zog.

Religionswissenschaftlich betrachtet, ist die Trinitätslehre erwachsen aus dem Synkretismus von Judentum und Christentum mit dem Hellenismus und der daraus folgenden Addition von jüdischem und christlichem Monotheismus mit dem hellenistischen Monismus..." (Auch hier eine Triade: Vater = Judentum, Sohn = Christentum, Geist = Hellenismus).

..."Was der Religionswissenschaftler einfachhin konstatieren kann, bedeutet aber zugleich eine Anfrage an die Theologie nach der Legitimität eines solchen Konstrukts. Wenn es feststeht - und daran scheint kein Weg vorbeizuführen -, dass Jesus selbst nur vom Gott Israels, den er Vater nannte, und nichts von seiner eigenen späteren "Vergottung" wußte, mit welchem Recht kann dann eine Trinitätslehre normativ sein? Muss man sie nicht vielmehr als einen Inkulturationsvorgang...-weil anders das Christentum nicht lebbar war - verstehen, also als eine kontingente, kontextuelle Komplizierung der jesuanischen Gottesvorstellung?...

Wenn man die Trinitätslehre auf "Offenbarung" gründet, (Anm.: der alte und beständige  Trick der Kirchen seit Paulus) muss man auch sagen können, wo und auf welcher Stufe denn um alles in der Welt diese Offenbarung erfolgt sei: durch Jesus, durch neutestamentliche Aussagen, durch die Apologeten oder gar Origenes oder Augustinus?...

Die Geschichte der Trinitätslehre selbst ist ihrerseits eine Anfrage an die Theologie, wie sie mit ihren eigenen Normen und mit der behaupteten Kontinuität zum für das Christentum kanonischen Anfang umgehen will." (Karl-Heinz Ohlig Theologe)

 

 

Dreifaltigkeit

         

Augustinus, bekannter Kirchenlehrer seiner Zeit (354–430), von Platonismus und Neuplatonismus stark beeinflusst, entwarf ein Gottesbild, das weit über das Mittelalter hinaus bis in den Fundamentalismus der heutigen Zeit in den Köpfen der Zeitgenossen herumspukt. In seiner Frühschrift „De vera religione“ entwickelt Augustinus aus der Lehre vom rechten Gottesbild die Praxis des wahren Kultes.
„Den Zugang zu einem guten und glückseligen Leben eröffnet allein die wahre Religion, welche nur einen Gott verehrt“, so beginnt Augustin sein Werk. Jesus Christus hat die Lehre der wahren Religion zu den Menschen gebracht.
Der Mensch kann nur zum Glück gelangen, insofern er sich dem höchsten Sein, Gott zuwendet. Sündigt er, so geschieht dies in freiem Willen, sich von Gott abzuwenden und dem Tod zuzuneigen. Im Geiste dieser Freiheit geschieht die Verehrung Gottes. Augustinus stellt das Judentum hier als Gegenbeispiel dar: Sie verehren Gott, um sich so ein sorgloses irdisches Leben zu „erkaufen“. Der Preis für dieses Leben ist die Einhaltung der Gesetze, die JHWH ihnen im Alten Bund auferlegt hat. Im Bund des Neuen Testamentes steht der Mensch in Freiheit vor Gott. Gott will nicht um der irdischen Güter willen verehrt werden, sondern um seiner selbst wegen. So findet der Kult seine Erfüllung in der Begegnung mit Gott.
Für Augustin gilt: Die Sorge um das leibliche Wohl (um das er sich als wohlhabender Zeitgenosse nicht zu kümmern brauchte) bringt den Menschen nur um seine Glückseligkeit. Er ruft dazu auf, sich vom Niedrigen, vom Irdischen abzuwenden und die Suche nach Gott als dem Höchsten in den Mittelpunkt unseres Lebens zu stellen. (Wer nichts zu beißen hat und frierend in seiner Behausung zittert, denkt darüber vielleicht etwas anders).
Augustinus stellt nun die Frage, wie weit die Vernunft vom Sichtbaren zum Unsichtbaren vordringen kann. Er bemerkt, dass der Geist über die Sinne und das Irdische zu urteilen vermag und zieht daraus den Schluss, dass die Vernunft allem Vergänglichen überlegen ist. Das Kriterium des Urteils der Vernunft ist wahre Gleichheit und Einheit, also Wahrheit. Die Wahrheit, so erkennt Augustinus, kann nicht irren und ist so über den Geist erhoben, der irren kann.
Gott und die Wahrheit sind ein und dasselbe;
nur er kann über uns urteilen. Wahrheit und also auch Gott kann nur der Geist erkennen. Deswegen sind für Augustin  nur die Kultelemente heiligend, die im Geiste nachvollzogen und verstanden werden können.
Das kultische Verhalten sieht Augustin als zur menschlichen Vernunft gehörig an. Er kann daher auch nicht die atheistische These gelten lassen, nach welcher der Mensch nichts verehrt. Denn der Mensch verehrt immer etwas, indem er sich von etwas Seligkeit und Glück erhofft. So läuft der Atheist Gefahr dem Zeitlichen zu verfallen.

Das Vergängliche aber ist nicht der Verehrung des Menschen würdig, denn es ist von niedrigerem Sein als seine Vernunft. Diese kann überall, auch im Niedrigen, Wahrheit erkennen, denn alles ist von Gott. Er ist es, durch den wir urteilen und so können wir ihn auch in jedem Urteil finden. Die Wahrheit steht über dem Menschen, sie kann ihm aber nicht entzogen werden, außer er wendet sich von ihr ab. Durch die Verehrung der Wahrheit wird der Mensch unbesiegbar. Durch sie wird der Mensch in Gott frei. Gott ist das Licht, in dessen Schein der Mensch zur Erkenntnis gelangt. Wahrheit kennt weder Zeit noch Raum, sondern ermöglicht beide. Sie ist also kein privates Gut. Insofern sie Objekt der Lehre und Praxis des Christentum ist, kann in seiner Lehre die wahre Religion gesehen werden. (Anm.: Circulus vitiosus).
 Die erste Offenbarung der Wahrheit war für Augustin die
Schöpfung selbst, alle weiteren die Wahrheit der „Heiligen Schrift“. Alles, was jemand dachte oder zu wissen glaubte, war an der biblischen Offenbarung – und nur an dieser – zu überprüfen. Die Philosophie wurde zur Magd der Theologie. Abweichler landeten später auf dem Scheiterhaufen. Der göttlichen Ordnung entsprach die menschliche Ordnung; wo man hingehörte war von Gott vorausbestimmt. (Seine "doppelte Prädestination" besagt, dass das "ewige Leben", bzw. die "ewige Verdammnis" von Gott für den einzelnen Menschen vorherbestimmt seien). In seinem Werk "De civitate Dei" behauptet er, dass der Gegensatz der beiden Reiche, des Gottesreiches und des Teufelsreiches, und deren Kampf gegeneinandern das eigentliche Thema der Geschichte sei. Beide civitates, die "civitas Dei" und die "civitas terrena", sind "in dieser Weltzeit ineinander verschlungen und miteinander vermischt, bis sie im Jüngsten Gericht getrennt werden". Die Grundgedanken seiner Geschichtstheologie in "de civitate Dei" haben weithin die Kirchenpolitik des Mittelalters bestimmt und sind noch heute im christlichen Denken lebendig

Neben zahlreichen weiteren Werken tat er sich mit einer (aus heutiger Sicht) unseligen "Erbsündenlehre"  hervor. »In Adam haben alle Menschen gesündigt.« So verstand Augustinus Röm. 5, 12 nach der lateinischen Übersetzung: "Wie durch einen einzigen Menschen (Adam) die Sünde in die Welt eintrat und durch die Sünde der Tod..."

Durch Zeugung und Geburt wurde die Sünde Adams nach Augustinus »gewissermaßen erblich« und durch sie die ganze Menschheit zur »massa perditionis«, zur Masse des Verderbens. Aus dem »posse non peccare« (Nicht "Sündigen müssen") des Urstandes wurde das »non posse non peccare«, das "Sündigen müssen". So steht die Menschheit seit Adams Fall unter der misera necessitas peccandi, und geblieben ist nur die Freiheit zu sündigen, aber nicht die possibilitas utriusque partis (der freie Wille, sich für das Gute zu entscheiden). Die ererbte Schuld aber vermehrte sich noch durch die Sünden und Verschuldungen, die der Mensch aus eigenem Willen hinzufügt 

A. schrieb weiterhin eine "Dreifaltigkeitslehre (De Trinitatis)"  und legte für die Kirche den Grundstein für den Argwohn gegenüber nicht theologischen Akademikern mit seiner Schrift "Contra academicos".

Der Neoplatonismus des Augustinus bereitete faktisch den Boden für die spätere Spaltung zwischen Kirche und Wissenschaft, die im Zeitalter der Aufklärung einsetzte und sich heute in der Unfähigkeit beider Seiten zur Kommunikation zeigt. Der Neoplatonismus lehnte das praktische Experiment - die Grundlage der wissenschaftlichen Methode - grundsätzlich ab. Er zog es vor, seine Studien dem Theoretischen zu widmen. Für Augustinus erwuchs Wissen über Gott und das menschliche Dasein aus dem Blick nach innen, nicht aus der Untersuchung der Außenwelt.

Bewusst wurde über Augustinus etwas ausführlicher berichtet, da seine Lehren bis heute in der Kirche lebendig sind.
Gott wurde fortan, wie bereits weiter oben erwähnt, mit den Insignien der weltlichen Macht dargestellt, wobei sich die Weltkugel zum Reichsapfel wandelte, und Christus vom "Logos" zum Weltenherrscher, dem "Pantokrator" mutierte.

 

     

Gott Vater

 

++++++

       

Gott Sohn als Pantokrator

         

Der Heilige Geist (Spiritus Sanctus), im christlichen Glauben neben dem Vater und dem Sohn die dritte Person der Trinität, führt in der Kirche eher ein Schattendasein, wurde aber als göttliche (und damit letzte) Instanz, auf die sich die Kirche bei ihren "Eingebungen" und "Offenbarungen" berufen konnte, benötigt.  Im Evangelium des Johannes (14,26) spricht Jesus Christus vom Heiligen Geist als „dem Ratgeber, den der Vater in meinem Namen senden wird”.

Eine Theologie des Heiligen Geistes entwickelte sich als Antwort auf die Auseinandersetzungen über das Verhältnis von Jesus Christus zu Gottvater. 325 verurteilte das Konzil von Nicäa eine "Irrlehre",  dass der Sohn von Gott erschaffen worden sei, und deshalb diesem weder gleich, noch gleich ewig sei. 381 verurteilte das Konzil von Konstantinopel die  Schlussfolgerung, die sich daraus ergab, nämlich dass der Sohn den Heiligen Geist erschaffen habe. Das Konzil erklärte: „Ich glaube an den Heiligen Geist, den Herrn und Stifter des Lebens, der vom Vater kommt. Zusammen mit dem Vater und dem Sohn wird er angebetet und verherrlicht.” Im 9. Jahrhundert wurde dem Glaubensbekenntnis von Konstantinopel der Zusatz "und dem Sohn" (das so genannte "filioque") hinzugefügt, der besagt, dass der Heilige Geist vom Vater und vom Sohne kommt und seither  Streitpunkt zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche ist. (Siehe dazu auch: Die Konzilien und der Heilige Geist M25).

Der Heilige Geist wird in der Heiligen Schrift häufig durch Metaphern dargestellt: durch die Taube (Markus 1, 10), die Frieden und Versöhnung symbolisiert; einen Wirbelwind (Apostelgeschichte 2) für Stärke; und durch Feuerzungen (Apostelgeschichte 2) als Symbol der religiösen Ekstase. Der Heilige Geist gilt als der Heiligende, der die Kirche und ihre Gläubigen führt und leitet. (Manchmal, wie die Kirchengeschichte zeigt, auch ins Abseits).

 

Hellenistischen Einflüssen entsprang   der katholische Marienkult. (Als griechische Kolonisten in Kleinasien Tempel vorfanden, die der "Großen Mutter" geweiht waren, nannten sie diese "Artemis" und übernahmen den bestehenden Kult. Das ist der Ursprung der "Diana der Epheser" (Apg. 19, 27-28, Lutherübersetzung).

 

                                                               Artemistempel von Ephesos

Das Christentum verwandelte sie in die "Jungfrau Maria" und auf einem Konzil zu Ephesus, einer Hochburg der griechischen Artemis-Verehrung,  wurden für sie die Bezeichnungen "Mutter Gottes", bzw "Gottesgebärerin" (theotokos) kirchenrechtmäßig eingeführt. In der Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter, wurde heidnisch-mystisches Gedankengut auch übernommen bei der „Himmelszeugung“, der göttlichen Befruchtung Mariens durch den „Heiligen Geist“ (zumeist als weiße Taube dargestellt).  (Mehr zu Maria unter M24) Zudem kann der Heiligenkult der katholischen Kirche als Fortsetzung hellenistisch - synkretistischen  Gedankengutes betrachtet werden.

 

               

                          Madonna                         Maria mit  Heiligem Geist                   Madonna

 

                       Drei Heilige                                         Heilige Barbara                 Heiliger Nikolaus

 

Merke: „Die Bibel ist nicht die Urkunde der Offenbarung Gottes selbst, sondern die Urkunde des Glaubens von Menschen an Gottes Offenbarung. Gott sei Dank hat Gott nicht alles gedacht, gesagt und getan, was in der Bibel über ihn geschrieben steht! Er hat uns sein Wort gegeben, nicht seine Wörter – die Wörter stammen von Menschen. Auch wenn es in der Bibel heißt: „Der Herr hat geredet“, geschieht solches Reden durch Menschen.  Darum sollen wir Gott zwar beim Wort, aber die Bibel – um Gottes willen! – nicht wörtlich nehmen".

(Heinz Zahrnt, dt. Theologe, 1915-2003)

 

Besucherz�hler

 

Home   Seitenanfang    Neuere Gottesbilder