Der eucharistische Christus

 

Ein Mythos, der auf einem anderen Mythos aufbaut wird zur Legende. Ein Mythos, der auf einer Legende aufbaut, wird zum Märchen.

Zwei (beinahe) wahre Begebenheiten.

1.) Religionsunterricht 1946: Der Pfarrer belehrte die Schüler in der damaligen Volksschule, die Hostie bei der Kommunion ganz zu schlucken, da man ja den Herrn Jesus nicht zerbeißen könne. Schüler P verlegen: "Ich schaff das nicht, die Hostie klebt mir immer irgendwo im Mund und wenn ich sie mit der Zunge zusammenscharre geht sie kaputt!" Der Pfarrer: "Ja du Jud' du bayerischer, dann kreuzigst du ja unseren Herrn Jesus jedes Mal auf's Neue!" Schüler H: "Ich hab da einen Trick: Ich klebe die Hostie an den Gaumen und rolle  sie dann mit der Zunge auf. So kann ich sie ganz herunter schlucken." Darauf Schüler P leise: "Dann muss ja unser Herr Jesus immer Purzelbäume schlagen!"

2.) Zwei  Pfarrkollegen verschiedener Konfession nach dem Frühgottesdienst 2003:   E: "Wegen der Alkoholiker nehmen wir jetzt zum Abendmahl immer roten Traubensaft, natürlich aus ökologischem Anbau und aus Pfandflaschen. Die Hostien sind aus Gründen der Rationalisierung Dauerkonserve". K: "Ich hatte heute eine «Heuchelheimer Rute» Spätlese von 1999. Unsere Hostien bekommen wir von unseren Schwestern aus dem Kloster «Himmelspforte», stets frisch und mit Verfallsdatum." E: "Und nach welcher Methode transzendieren Sie?"

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Erkenntnis-theoretisch ist  "Wahrheit" für Teile des kirchlichen Klerus auch heute noch auf dem das ganze Mittelalter hindurch bestehenden und  in die Neuzeit hineinwirkenden augustinischen Wahrheitsbegriff aufgebaut: die theologische Wahrheit, die sich an Gott als oberster und absoluter Wahrheit festmacht. Doch hier bereits beginnt das Dilemma und der Teufelskreis: Wer Gott ist, was Gott ist, was göttliche "Wahrheit" ist, wird von kirchlichen Würdenträgern, also von Menschen definiert; Menschen, die eine Trinitätslehre zum normativen Dogma erhoben, weil anders das Christentum als Religion nicht zu transportieren war, die einen Jesus als Christus und mit einer Zweinaturenlehre versehen in den Götterstand und ins Jenseits transferierten. (Das bezeugt in aufschlussreicher Weise das Glaubensbekenntnis, das kein einziges Wort über Jesu Lehre enthält, aber lauter Lehren der späteren Kirche. Kirchenvater Hippolyt hat es auf den Punkt gebracht: "Das Wort sprang vom Himmel in den Leib der Jungfrau; es sprang aus dem Mutterleib an das Holz; es sprang von dem Holz in den Hades; es sprang hinauf auf die Erde wieder - ob der neuen Auferstehung - sprang von der Erde in den Himmel. So setzte es sich zur Rechten des Vaters".)

Als die Kirche allerdings Jesu dortiger Wirkungslosigkeit  gewahr wurde, holte sie ihn in Form von Brot und Wein wieder zurück, hob eine Erbsündenlehre aus der Taufe, von der Jesus und die Evangelien nichts wussten, zur Rechtfertigung ihrer eigenen rituellen Taufhandlungen und damit ihres eigenen Standes; schrieb und kanonisierte eine "Heilige Schrift", deren Entstehungsgeschichte auf Zufälligkeiten beruht und sich als ein Sammelsurium menschlicher Unzulänglichkeit erweist. Sich dann auch noch auf  "göttliche Offenbarung" durch den "Heiligen Geist" zu berufen erfüllt den Tatbestand der Gotteslästerung. Die "ewigen Wahrheiten" der Kirche wurden durch die Naturwissenschaften ausgehebelt, müssen, wie wir inzwischen wissen, umgeschrieben werden oder lassen sich nur noch im  Bereich des allegorischen, transrationalen Mythos nachvollziehen.  Diesen Weg zu folgen sind jedoch immer weniger "Gläubige" gewillt. Mit Recht wird die kirchliche Art der "Wahrheitsfindung" (zusätzlich konfessionell verwässert) immer mehr, besonders auch aus den eigenen Reihen der Theologen, in Frage gestellt, wie auch eine Theologie überhaupt, die sich nur noch im Definitorischen, Philologischen, in Wortklaubereien also verliert, gepaart mit christologischen  Erlösungs- und Opfertheorien und überkommenen Ritualen und Dogmen. Naturwissenschaft und Religion kommen deswegen so schlecht zusammen, weil sie von einem unterschiedlichen Wahrheits- und Realitätsverständnis ausgehen.(Siehe dazu auch "Die Wahrheit über die Wahrheit").

Während Theologen sich darüber streiten, ob Jesu Leib und Blut in  Brot  und Wein  transsubstantiiert, consubstantiiert, transfinalisiert, transsignifiziert, transformiert, transfiguriert oder transzendiert werden, genießen die Wissenschaftler ihre Schweinshaxe mit Knödeln und Kraut zu Weißbier (einige auch Grünkernfrikadellen mit Mangold) und spekulieren über Urknall und kosmischer Hintergrundstrahlung.

"Dem Opfermahl der Heiden und Juden entspricht bei den Christen das Abendmahl. Und so wie die Heiden durch den Genuss ihrer Opfermahlzeiten in eine geheimnisvolle Gemeinschaft mit ihren Göttern treten, so wir mit dem erhöhten Herrn". (Der Theologe Lietzmann in "Messe und Herrenmahl".)  

Die Frage, ob Jesus das Abendmahl mit einem "Stiftungsbefehl" («Tut dies zu meinem Gedächtnis») eingesetzt hat, ist in höchstem Maße spekulativ, denn weder Markus, noch Matthäus, noch Johannes überliefern diese Anordnung. Letzterer lehnt das Abendmahl nach Auffassung des Theologen Bultmann geradezu ab. Er ersetzt es durch die Fußwaschung.  Im Lukasevangelium - und auch dort nur für den Ritus des Brotbrechens - ist er überliefert, doch selbst bei Lukas fehlt er in mehreren alten Handschriften. Nur bei Paulus steht der Befehl für Brot und Wein und fand dann wohl Aufnahme in das Lukas - Evangelium, dessen geistige Nähe zu Paulus offensichtlich ist. Paulus allerdings - und das ist das Fatale - war beim Abendmahl nicht dabei. Paulus habe Christus weiterentwickelt, hört man von Theologen, doch genau durch diese anthropomorphe Interpretation des Gottesbegriffes wird aus Gottesdienst wieder ein  Götzendienst, die Verehrung eines  von Menschen entwickelten bzw. weiter entwickelten mythischen Phänomens.

"Paulus und seine griechischen Gemeinden haben das gleiche erlebt, wie die Mysten von Eleusis bei dem heiligen Kykeon, die des Dionysos bei dem herumgereichten Weinbecher, die der Kybele bei dem Essen und Trinken aus dem heiligen Kymbalon und Tympanon und die des Mithras bei Brot und Wein. Die Einsetzungsworte werden schon bei Paulus ähnlich wie die Deuteworte in Eleusis gebraucht". (Der Theologe Carl Schneider in "Geistesgeschichte I")

Die Urapostel kannten kein sakramentales Abendmahl, sie pflegten die Form des gemeinsamen Essens, das "Brotbrechen", wie der älteste Ausdruck lautet. So gab es auch zunächst in der paulinischen Gemeinde in Korinth ein gewöhnliches gemeinsames Essen, gedacht als Sättigungsmahlzeit für die Armen, zu dem jeder nach seinen Verhältnissen beisteuerte. Doch schienen die Christen in Korinth bald Klassenunterschiede zu machen, blieben doch die einen öfter hungrig, während die anderen fröhlich tranken, sodass Paulus sich genötigt sah, die Zusammenkünfte auf eine verkürzte Feier, ein symbolisches Speisen zu beschränken. (1.Kor 11, 17-34). Aus dem Liebesmahl wurde ein Scheinmahl, ein Kultmahl, verbunden mit einem übernatürlichen Erlösungsritus. Die Anweisung hierfür erhielt Paulus, wie so oft, direkt von "oben" aus dem Jenseits, vom himmlischen Christus! Bezeichnenderweise kann er  sich dabei nicht auf die Urgemeinde berufen sondern deutet in der ihm eigenen freizügigen Art das Alte Testament um, als "die jüdischen Väter in der Wüste... dieselbe geistliche Speise aßen und denselben geistlichen Trank tranken. Sie tranken aus dem geistlichen Felsen, der mit ihnen ging, und dieser Felsen war kein anderer als Christus". (1.Kor 10,3-4). Ein grotesker Vergleich.

1. und 2. Jahrhundert: Anstelle des "Brotbrechens" tritt in Palästina der Name "Eucharistie" (=Danksagung). Verbunden damit war die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Jesu. Laut Apostelgeschichte (2,46) geschah das "in ihren Häusern mit Freuden und einfältigem Herzen" (Luther) bzw. "in Freude und Einfalt des Herzens" (Einheitsübersetzung), ohne Priester und sakramentalem Gepräge.

Ca. 150: Justin nennt die Spende natürlicher Gaben in der Eucharistie ein "Opfer" im Sinne von Dankopfer, entwickelt es weiter zum Messopfer,  welches durch einen Priester dargebracht werden muss (d.h. nicht von Laien). Er bereits verstand Brot und Wein im Abendmahl als Leib und Blut Jesu.

Ca. 250: Cyprian verbindet den Opferbegriff mit dem Leiden Jesu, als Nachahmung des Opfers Christi und im Sinne von Versöhnungsopfer.

       

 Cyprian                         und             Irenäus

Ab Ende 2. Jahrhundert: Die Kirche brandmarkte durch ihren Kirchenlehrer Irenäus die Vorstellung der im südlichen Gallien weit verbreiteten gnostisch/christlichen Sekte der "valentinianischen Markosier" von der wirklichen Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi, also die "Transsubstantiation", als Ketzerei und als populäres krasses Missverständnis. Trotzdem setzt über die "Wesensverwandlung" in der Eucharistie ein jahrhunderte lang dauernder Streit ein, in dem selbst ein Papst wie Gregor VII., (*1020, †1085) der seine Autorität direkt von Christus ableitete, eine Entscheidung vermied.

1215: Auf dem 4. Laterankonzil wird die von Irenäus einst verworfene Abendmahlslehre mit der "Transsubstantiation" unter Papst Innozenz III. zum Dogma erhoben.

1545 - 1563 (mit Unterbrechungen):  Auf dem Konzil von Trient wird die Transsubstantiation durch Konsekration als Wesensverwandlung erneut bestätigt und zwar als Reaktion auf die Reformation Martin Luthers. Seither gibt es unterschiedliche Abendmahls - Auffassungen in den christlichen Kirchen.

„Weil aber Christus, unser Erlöser, sagte, das, was er unter der Gestalt des Brotes darbrachte, sei wahrhaft sein Leib, deshalb hat in der Kirche Gottes stets die Überzeugung geherrscht, und dieses heilige Konzil erklärt es jetzt von neuem: Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung [Transsubstantiation] genannt" (DS 1642).

 

2003: Papst Johannes Paul II bekräftigt in seiner "Enzyklika Ecclesia de Eucharistia", dass durch die "Konsekration (Anm.: Weihe) von Brot und Wein eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes unseres Herrn und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes geschieht" und zwar als Wesensverwandlung. Die Konsekration kann nur von geweihten Priestern vorgenommen werden.

 

Womit wir wieder bei der, neben allen Philosophen, auch schon Augustinus und Thomas von Aquin beschäftigenden Frage wären: Was ist Substanz? (Substanz = lateinisch substantia: das darunter Stehende) In der Philosophie ist es die Bezeichnung für das Bestehende bzw. zugrunde Liegende in Gegenständen und Lebewesen im Gegensatz zu den wechselnden Zuständen und Eigenschaften, der so genannten Akzidenz, welche mit obiger Verwandlung (= wechselnder Zustand) wohl eher vorliegt. Besonders interessant wird die substantielle Frage in der Eucharistie hinsichtlich des dreifaltigen Gottes: das eine göttliche "Wesen" (Usia, Gottsein in sich) existiert ja bekanntlich in dreifachem "Personsein", wobei die "Personen" (Hypostasen) in Gott gerade nicht durch das konstituiert sind, was sie "in sich" sind (d. h. die Substanz ist nicht verschieden)..., sondern durch ihren Bezug aufeinander.  Boëthius Anicius Manlius Severinus(480 - 524) römischer Staatsmann, Philosoph und Logiker hatte nach Augustinus versucht, den Begriff Person, dessen Verständnis bei Augustinus noch nicht eindeutig ist, zu definieren als individua substantia rationa(bi)lis naturae, als "individuelle Substanz geistiger Natur". Augustinus meint: Wenn Gott ganz als einfach und einer gedacht wird, kann es in ihm weder substantielle noch akzidentelle Pluralität geben: "Wenn sonach auch keine Aussage über Gott ein Akzidens betreffen kann, weil es ein solches bei Gott nicht gibt, so betrifft doch nicht jede Aussage über ihn die Substanz ... Wenn daher auch Vater und Sohn verschieden sind, so liegt doch keine Substanzverschiedenheit vor". D.h.: bei der Konsekration nach der Definition des Tridentinum und Johannes Paul II (siehe oben) müssen Vater Sohn und Geist Leib und Blut lassen, da die Gottheit dreieinig ist. Man muss Augustinus zugute halten, dass er von diesem ganzen Unsinn nichts wissen konnte, da das Dogma über die Tanssubstantiation erst 1215 erlassen wurde.  (Augustinus versuchte eine philosophische Erklärung zu erarbeiten, um bei Gott von einer Dreiheit sprechen zu können, wie er sie bereits vorfand. Und so bot sich ihm der Relationsbegriff an: "Denn die Bestimmungen Vater und Sohn betreffen nicht die Substanz, sondern eine Beziehung". Diese umschreibt ein esse ad oder, wie Boëthius sagt, ein esse ad aliquid, d.h. also ein "Sein in Bezug auf (etwas)". Nach dem damaligen philosophischen Denken, das seine Begriffe anhand des vorhandenen bzw. kosmischen Seienden bildete, tangierte eine solche Relation nicht das Sein selbst, die Substanz, und stellte auch keine Qualität eines Seienden dar. Anders sähe dies aus bei einem - heutigen Relationsverständnis, das die Substanz von der menschlichen Wahrnehmung her, also intersubjektiv denkt: intersubjektive Relationen verändern die Subjekte tief greifend z.B. in Freundschaft, Liebe, Hass, Verantwortung usw. Für Boëthius und Augustinus konnten aber mittels des Relationsbegriffs "Wirklichkeiten" umschrieben werden, die das Sein Gottes anscheinend nicht tangieren). 

In der Kategorienlehre des Aristoteles ist die Substanz die erste der zehn Kategorien; mit ihr wird das Wesen eines Dinges bestimmt. Die Akzidenzien sind eben die nicht wesentlichen, nicht notwendigen Eigenschaften einer Substanz (in diesem Falle Leib und Blut Christi) im Gegensatz zu den wesentlichen (essentiellen), einer Substanz dauernd anhaftenden Merkmalen (in diesem Falle Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein).  Thomas von Aquin blieb es vorbehalten, die aristotelischen Begriffe der Substanz und der Akzidenzien in dialektischer Umdeutung auf das Geschehen bei der Eucharistie anzuwenden: Während die Akzidenzien, d. h. bei ihm die Eigenschaften von Brot und Wein  erhalten bleiben, ändert sich die Substanz, d. h. das Wesen des Brotes, die individuelle Substanz geistiger Natur des Weines, (also nicht die Materie der eucharistischen Gaben Brot und Wein), in Leib und Blut des auferstandenen Christus. Hingegen der Theologe Bernhard Welte (1906-1983, Prof. in Freiburg):  "die materiellen Dinge und Substanzen sind nicht aus ihrem physikalischen An-sich-Sein zu bestimmen, sondern aus dem Bezugszusammenhang zur Erkenntnis des Menschen (Intersubjektivität). Die Intentionalität zum menschlichen Erkennen macht das Sein des Seienden aus". Für die Erklärung der Transsubstantiation besagte diese Auffassung, dass sich an den Substanzen von Brot und Wein nichts ändert, sondern sie nur in einen neuen Bezugszusammenhang einbezogen würden, nämlich zur Bedeutung des eucharistischen Mahles erhoben würden. (Fortsetzung und Übertragung der augustinischen Dreieinigkeits-"Relationalitäten"  auf die Eucharistie). Hingegen Thomas von Aquin: "Da wiederum von dem Seienden in absolutem und vorrangigem Sinne bei den Substanzen die Rede ist und erst in nachrangigem Sinne - gleichsam nur eingeschränkt - von den Akzidenzien, ergibt es sich, dass sich die Wesenheit eigentlich und in Wahrheit bei den Substanzen findet, bei den Akzidenzien aber nur gelegentlich, je nach den Umständen. Von den Substanzen sind schließlich einige einfach und einige zusammengesetzt, und bei beiden findet sich eine Wesenheit. Bei den einfachen gibt es diese aber in wahrerer und höherer Weise, weil sie ein höheres Sein haben; denn sie sind Ursache für all das, was zusammengesetzt ist. Die erste einfache Substanz ist schließlich Gott". (Thomas von Aquin: Über Seiendes und Wesenheit (De ente et de essentia).

Haben Sie das verstanden, je nach den Umständen oder gelegentlich? Dann wissen Sie, was Transsubstantiation ist. Thomas selbst wusste es trotz vielerlei eigener Erklärungen nicht: „Dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi in diesem Sakrament seien, lässt sich nicht mit den Sinnen erfassen sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche Autorität stützt".  (Katechismus der kath. Kirche Nr. 1381).  Meinte er nicht kirchliche Autorität? Und warum dann so viel Aufhebens auf tausenden von Seiten theologischer Literatur?
Für Immanuel Kant war die Substanz eines Dinges das in allem Wandel Beharrende, wiederum Brot bleibt Brot und Wein bleibt Wein.

Bertrand Russell befindet, dass "Substanz" der Kollektivname für eine Reihe von Ereignissen (Akzidenzien) ist; würde mehr darunter verstanden, so bezeichnete der Begriff etwas, was völlig außerhalb unseres Wissensbereiches liege und daher unbrauchbar sei, um auszudrücken, was wir wissen. Wolle man den Begriff "Substanz" ernst nehmen, müsse er zwangsläufig zu Schwierigkeiten führen, denn Substanz gelte als das Subjekt von Eigenschaften (z. B. Brot und Wein) und als etwas von den Eigenschaften Verschiedenes. Ließen wir jedoch die Eigenschaften (z. B. von Brot und Wein) fort und versuchten uns dann die Substanz selbst vorzustellen, so würde sich ergeben, dass nichts übrig bleibt. (Anm.: Was denn wohl auch den Tatsachen entspricht). Russell kommt zu dem Schluss, dass sämtliche aristotelische Ansichten falsch sind mit der Ausnahme der formalen Theorie des Syllogismus (Rückschluss vom Allgemeinen aufs Besondere).

Usia, Essentia, Substantia, Hypostasis, Wesen, Realität, Sosein, wahres Sein, alle diese Begriffe gehen ineinander über, sind alter und immerwährender Anlass für Meinungsverschiedenheiten in der Philosophie, immer jedoch auch von den menschlichen Sinnen abhängig (intersubjektiv und semantisch), weswegen nach soviel theologischem Hick Hack in der modernen analytischen Philosophie der Begriff der Substanz weitgehend vermieden wird. (Siehe auch "Exkurs").

 

"Substanz" ist ein metaphysischer Irrtum, der dadurch entsteht, dass die Struktur von Subjekt-Prädikat-Sätzen auf die Struktur der Welt übertragen wird".

(Bertrand Russell, 1872 - 1970, Mathematiker und Philosoph)

 

Die Konsekration, durchgeführt auch von jedem mittelmäßigen, auf dem zweiten Bildungsweg im Priesterseminar zu St. Pölten groß gewordenen Geist -lichen ist wohl so zu verstehen: Die Substanz des geweihten Brotes wird in das Wesen des Leibes der inkarnierten, als solche aber am Kreuze verstorbenen und wieder auferstandenen und in den Himmel gefahrenen Hypostase des dreieinigen Logos verwandelt, der am Anfang, nachdem er zuvor in Gott ruhte (Lógos endiátheos) zum Zwecke der Schöpfung aus Gott heraus trat (Lógos proforikós), um 13 Milliarden Jahre nach Beginn der Schöpfung die Menschen von der Erbsünde zu erlösen, welche Augustinus im 5. Jahrhundert nach Christus in einer Lehrschrift niederschrieb,  desgleichen wird die Substanz jedweden verwendeten Weines oder Traubensaftes in   hypostatisches Blut des Logos verwandelt. Die Formel dafür lautet:

 

"Der Priester segnet Brot und Wein,

Bald wird es unser Heiland sein!"

(Kommunionunterricht 1975)

(Mysterium fidei.) 

 

"Der Priester handelt bei diesem Sakrament noch deutlicher als bei den übrigen Sakramenten „in persona Christi“. Diese Wahrheit erlangt ihre größte Anschaulichkeit und gleichsam physische Realität beim Aussprechen der Wandlungsworte: „Von welchem Priester sie auch immer gesagt werden, sie wirken so, als wenn Christus selber sie gegenwärtig ausspräche." (Thomas von Aquin).

Das lohnt schon eine Heiligsprechung. Wahrscheinlich ist es wohl nur Gewöhnung, dass den Gläubigen die Absurdität der Vorstellung gar nicht mehr auffällt, den substantiellen, mit Gott und heiligem Geist dreieinigen Leib Christi, also den als Person Mensch gewordenen Teil Gottes als Wesen in substantieller Brotform verspeisen zu können, wenn man wortwörtlich versteht; dieser Leib werde – trotz milliardenfachem rituellem Kannibalismus keinerlei Schaden nehmen, sondern weiterhin unversehrt ewig währen (siehe oben).

Gilt aber die Umdeutung, das Rezitierte "Das ist mein Leib", "der Leib Christi" sei nur symbolisch gemeint, wozu dann solch übertragene, unappetitliche und unsinnige Täuschung?

Ist jedoch die zum 4x ten Mal verwandelte Hypostase Jesu Christi nur gedacht, nur geistiger Natur, eine hypothetische Fiktion, eine psychologische Suggestion, (was der empirischen Wahrheit entspricht) dann bleibt Brot = Brot und Wein = Wein mit fadem Nachgeschmack, trotz "inniger Zwiesprache". (x Erste Verwandlung des Christus-Logos in eine Hypostase bei seinem Heraustreten aus Gott. Zweite Verwandlung bei seiner Inkarnation zum Menschen. Dritte Verwandlung vom Tode zurück zum Leben. Vierte Verwandlung bei der Wiedervereinigung mit Gott nach der Himmelfahrt. Hoch x-te  Verwandlung in der Eucharistie).

Alles in Allem: "Gesegnete Mahlzeit!"

(Das ist mein Leib, für euch hingegeben)

Nach katholischer Lehre geschieht das "Wunder", sobald der Celebrans die letzte Silbe der Einsetzungsworte gesprochen hat, allerdings nur nach korrekter, d.h. vollständiger und klarer Rezitation (Hokuspokus). „Hoc est corpus meum – Hic est calix sanguinis mei“.

"Christus wird in diesem Sakrament gegenwärtig durch die Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Die Kirchenväter betonten entschieden den Glauben der Kirche, dass das Wort Christi und das Walten des Heiligen Geistes so wirkkräftig sind, dass sie diese Verwandlung zu bewirken vermögen". (Katechismus der kath. Kirche Nr. 1375). In einem jesuitischen Betrachtungsbuch für junge Kleriker liest man: "Ein Wort aus seinem (Anm.: des Priesters) Munde zwingt den Schöpfer des Weltalls und des Himmels auf die Erde herab"!!! (Heiler: "Der Katholizismus").

(Das ist mein Blut, für euch vergossen)

Auch über Dauer und Konsistenz des "Wunders" gibt es Angaben: "Die eucharistische Gegenwart Christi beginnt im Zeitpunkt der Konsekration und dauert so lange, wie die eucharistischen Gestalten bestehen. In jeder der Gestalten und in jedem ihrer Teile ist der ganze Christus enthalten, so dass das Brechen des Brotes Christus nicht teilt". (Katechismus der kath. Kirche Nr. 1377). Und was geschieht mit den Resten?  "Die „heilige Reserve" (Tabernakel) war zunächst dazu bestimmt, die Eucharistie würdig aufzubewahren, damit sie den Kranken und Abwesenden außerhalb der Messe gebracht werden könne. Durch die Vertiefung des Glaubens an die wirkliche Gegenwart Christi in seiner Eucharistie wurde sich die Kirche bewusst, dass es sinnvoll ist, den unter den eucharistischen Gestalten anwesenden Herrn anzubeten. Darum muss sich der Tabernakel (die heilige Reserve) an einem besonders würdigen Ort in der Kirche befinden und so angefertigt sein, dass er die Wahrheit der wirklichen Gegenwart Christi im heiligen Sakrament hervorhebt und darstellt. (Nr. 1379)

Die eingangs zitierte, von Johannes Paul II im Jahr 2003 (!!!) erlassene Enzyklika de Eucharistia geißelt die Vernachlässigung des eucharistischen Kultes (!!!), bezeichnet die Eucharistie als "Kern des Mysteriums der Kirche", als "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens", "allerheiligstes Sakrament", das "Christus selbst, unser Osterlamm und lebendiges Brot enthält", sein "Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft". Und weiter: "Das eucharistische Geheimnis – Opfer, Gegenwart, Mahl – duldet weder Reduzierungen noch Instrumentalisierungen. Es muss in seiner Ganzheit gelebt werden, sei es im Ereignis der Feier, sei es im innigen Zwiegespräch mit Jesus, den man gerade in der hl. Kommunion empfangen hat, sei es im betenden Verweilen bei der eucharistischen Anbetung außerhalb der heiligen Messe. Die Kirche wird also fest auferbaut und es drückt sich das aus, was sie wahrhaftig ist: die eine, heilige, katholische und apostolische; Volk, Heiligtum und Familie Gottes; Leib und Braut Christi, beseelt vom Heiligen Geist; universales Heilssakrament und hierarchisch gegliederte Gemeinschaft".

Man merkt die Absicht und man ist verärgert! Ein schwer verdauliches Dokument für heutige Zeitgenossen. Wer es sich ganz zumuten möchte, bitte hier klicken. Die Ausführungsbestimmungen dazu wurden im Frühjahr 2004 mit der römischen Instruktion "Redemptionis Sacramentum" erlassen, die erhellend deutlich den Ideologiecharakter der römischen Kirche offen legen, nämlich:                                       

a) Mythos und Irrationalität, eingebunden in "heilige" Kulthandlungen, die detailbesessen zu befolgen sind; Glaubensvorschriften, die keinerlei Spielraum für eigene Kreativität lassen  (Instrumentalisierter und mechanistischer Gottesdienstvollzug).

 b) Exklusivitätsanspruch, verbunden mit Intoleranz, die jede eucharistische Gastfreundschaft mit Christen anderer Religionen als schwer wiegendes Delikt verbietet (allein selig machende Kirche, alleiniger Heilsweg).
c)   Schutz und Absicherungs- sowie Disziplinierungsmaßnahmen, die Abweichler von der Norm unter Strafe stellen und zur Denunziation aufrufen und das gleich bei der höchsten Stelle!! ("Jeder Katholik, ob Priester, Diakon oder christgläubiger Laie, hat das Recht, über einen liturgischen Missbrauch beim Diözesanbischof oder beim zuständigen Ordinarius, der diesem rechtlich gleichgestellt ist, oder beim Apostolischen Stuhl aufgrund des Primats des Papstes Klage einzureichen.") Da klingt dann der folgende Schlusssatz wie Hohn: „Den Keimen der Entzweiung unter den Menschen, die – wie die tägliche Erfahrung zeigt – aufgrund der Sünde tief in die Menschheit eingegraben sind, stellt sich die schöpferische Kraft der Einheit des Leibes Christi entgegen. Die Eucharistie, die die Kirche auferbaut, schafft gerade dadurch Gemeinschaft unter den Menschen“...  So argumentiert eine Kirche, die sich selbst das Wasser abgräbt. Eigentlich sollte man sich darüber freuen. Das Mittelalter lässt grüßen!!

Annähernd 50 mal verwendet die "Enzyklika Ecclesia de Eucharistia" erläuternd die Begriffe "Geheimnis", "Geheimnis des Glaubens", bzw. "Mysterium", "Mysterium fidei" zur Erklärung der Eucharistie. Fürwahr: zunächst verworfen, dann dogmatisiert, ein echtes Mysterium. Allerdings muss erkenntnistheoretisch auch ein Geheimnis erst einmal als solches erkannt, mit Inhalt gefüllt und gedeutet werden. Man kommt ja nicht alleine darauf, wie ein Geheimnis gelebt werden muss, auf welche Weise Reduzierung und Instrumentalisierung eines Geheimnisses erfolgen. Und wer wiederum erklärt einem das alles? ... Eben!  Wem solche Geheimnisse schmecken, der soll sie essen.

Völlig absurd, wenn der Papst im letzten Kapitel der Enzyklika Maria, also die Mutter Jesu, als eine in ihrem ganzen Leben von der Eucharistie geprägte Frau bezeichnet!  (Siehe zeitliche Abfolge und dogmatische Einsetzung oben, siehe zeitliche Entstehung der Briefe und Evangelien an anderer Stelle). "Wie soll man sich die Gefühle Marias vorstellen, als sie aus dem Mund Petri, Johannes’, Jakobus’ und der anderen Apostel die Worte des Letzten Abendmahles vernimmt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ schreibt er. Am besten überhaupt nicht; denn  darüber steht nun wirklich nichts in den Evangelien, der Apostelgeschichte und den Briefen, dass diese Apostel bereits die Einsetzungsworte gebrauchten. Und wenn er feststellt: "In gewissem Sinne hat Maria ihren eucharistischen Glauben bereits vor der Einsetzung der Eucharistie ausgeübt, und zwar aufgrund der Tatsache selbst, dass sie ihren jungfräulichen Schoß für die Inkarnation des Wortes Gottes dargeboten hat"..., dann haben bestimmt alle Freudianer ihre Freude daran.    Wie bemerkte schon Origenes vor 1800 Jahren so richtig? " Da sieht man mal, bemerkt er höhnisch, in welche Tiefen des Unsinns der Mensch abzusteigen bereit ist, wenn er nur zu frommen Versicherungen wie, 'bei Gott  ist nichts unmöglich', seine Zuflucht nehmen kann". Und er meinte damit die Schar der "Gläubigen".

 (Dazu aus dem "Katechismus der Katholischen Kirche"..."485: Die Sendung des Heiligen Geistes ist stets mit der des Sohnes verbunden und auf sie hingeordnet. Der Heilige Geist wird gesandt, um den Schoß der Jungfrau zu heiligen und göttlich zu befruchten; er, ,,der Herr ist und lebendig macht", bewirkt, dass sie den ewigen Sohn des Vaters empfängt, der aus ihr die menschliche Natur annimmt. 494: Auf die Ankündigung, dass sie durch die Kraft des Heiligen Geistes den ,,Sohn des Höchsten" gebären werde, ohne einen Mann zu erkennen, antwortete Maria im ,,Gehorsam des Glaubens", in der Gewissheit, dass ,,für Gott nichts unmöglich" ist: ,,Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!" 

(http://www.vatican.va/archive/DEU0035/ __P1R.HTM)

In der Psychologie und Psychiatrie sind inzwischen die Phänomene der Suggestion, Autosuggestion und Massensuggestion, der Übertragung und Gegenübertragung, des psychologischen und tiefenpsychologischen "Objekts" einschließlich  Objektwahl und Objektbesetzung, Imago und Imagination, Vision, Illusion und Halluzination ausreichend untersucht, ihre Wirkmechanismen im Unbewussten  kategorisiert und in der Diagnose und zu Heilzwecken implementiert. In der Humanmedizin und Pharmakologie weiß man um den "Placebo-Effekt". (Dein Glaube hat dir geholfen!). Begriffserklärungen hier.  Neurobiologen fanden heraus, dass das bewusste "Ich" nicht unbedingt der Herr im Hause unseres Gehirns ist, sondern dass die unbewussten Kräfte eine erhebliche Rolle bei unserem subjektiven Realitätsverständnis spielen.

Deswegen sollte  man sich (trotz aller Aufgeklärtheit) davor hüten, ein wie auch immer geartetes Christusbild oder -symbol für beliebig austauschbar zu halten. Erstens ist es als "kulturelles Bindemittel" in unseren Gesellschaften  in vielen Bereichen verankert und begegnet selbst Nichtgläubigen auf Schritt und Tritt in Kunst und Literatur, in Bildung, Rechtsprechung, Volkstum und Brauchtum. Zweitens findet bei Gläubigen eine Indoktrination bereits im Vorschulalter statt (Kinderkirche) mit  einer Beeinflussung  des Unbewussten in den Tiefenschichten der Persönlichkeit und wirkt von daher mit fortführendem Religionsunterricht und begleitendem Sonntagsgottesdienst oft ein Leben lang nach. (Die Persönlichkeitsmerkmale werden weitestgehend in der Kindheit ausgeprägt, mit einer Nachbildung im Jugendalter.  Unbewusste Bilder, vor allem solche aus Kindheit und Jugend, lassen sich allenfalls in außerordentlichen Situationen verändern. Deshalb verharren erwachsene Menschen, wenn nichts mehr nachgekommen ist, in ihrem Kinderglauben. Und deshalb spielt die frühkindliche bewusste und unbewusste Erziehung eine besonders wichtige Rolle. Dies ist die Chance für die Aufklärung, wahrscheinlich die einzige. Siehe auch. "Stufen des Glaubens").

Merke:
„Hier liegt etwas vor, was nicht die Natur gebildet, sondern die Segnung konsekriert hat, und die Wirksamkeit der Segnung geht über die Natur hinaus, indem sogar die Natur selbst kraft der Segnung verwandelt wird ... Das Wort Christi, das das noch nicht Seiende aus dem Nichts zu schaffen vermochte, soll Seiendes nicht in etwas verwandeln können, was es vorher nicht war? Nichts Geringeres ist es, neue Dinge zu erschaffen, als Naturen zu verwandeln." 

(Ambrosius, Kirchenvater, Heiliger 339-397,  myst. 9,50,52).
 

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