Die Wahrheit bei Benedikt XVI.

Am 30. Juni 1998 veröffentlichte der Vatikan den Text des Dokumentes "Ad Tuendam Fidem"  an welchem auch Benedikt XVI. (damals Kardinal Ratzinger) mitgearbeitet hatte. Das darin enthaltene Verständnis von Lehren der katholischen Kirche hinsichtlich Glauben und Wahrheit kann wie folgt zusammengefasst werden:

1. Göttlich offenbart

Diese höchste Kategorie von Lehren beinhaltet Glaubenslehren, die im sog. "Wort Gottes" enthalten sind, aufgeschrieben, übermittelt oder durch formelles Urteil der Kirche als "göttlich offenbarte Wahrheiten" unfehlbar erkannt und festgelegt durch:

-  den ex cathedra sprechenden Papst ("Unfehlbarkeit" des Papstes);

-  das zum Konzil versammelte Kollegium der Bischöfe;

- durch das ordentliche und universale Magisterium der Kirche.(Lehramt)

Beispiele: Glaubensartikel des Glaubensbekenntnisses, die verschiedenen christologischen und marianischen Dogmen, das Dogma von der realen und substantiellen Anwesenheit Christi in der Eucharistie, das Dogma zu Primat und Unfehlbarkeit des Papstes, das Dogma zur Existenz der Erbsünde.

 

2. Auf Endgültigkeit hin aufgestellt           

Glaubenslehren, die von der Kirche zu Glauben und Moral auf Endgültigkeit hin aufgestellt werden und notwendig sind, um an der Grundlegung des Glaubens getreu festzuhalten, auch wenn sie nicht durch das Lehramt der Kirche als formal geoffenbart festgestellt sind. Sie können bestimmt oder gelehrt werden durch:

-   den Papst;

-   das zum Konzil versammelte Kollegium der Bischöfe

-   das ordentliche und universale Magisterium der Kirche.

Solche Glaubenslehren werden durch eine historische Beziehung oder durch eine logische Verknüpfung den offenbarten Wahrheiten beigestellt.

Beispiele: Die Rechtmäßigkeit der Wahl eines jeweiligen Papstes, die Beschlüsse eines ökumenischen Konzils, die Kanonisierung von Heiligen, die Ungültigkeit anglikanischer Ordinationen, die Lehre, dass die Priesterweihe allein Männern vorbehalten ist, die Lehren zur Unzulässigkeit von Euthanasie, Prostitution, Unzucht.

Und natürlich gibt es wieder die Androhung von Sanktionen bei Nichtbeachtung und Nichtbefolgen dieser Glaubensregeln.

Daraus lässt sich ableiten, dass Gottes Offenbarung eine Spiegelung anthropogener verabsolutierter Vorstellungen ist, getragen von Machtansprüchen, Wünschen und Wahnvorstellungen, denn warum sonst benötigte ein Gott formelle Bestätigungen, formale Beschlüsse und festgestellte Notwendigkeiten durch irgend welche kirchlichen Gremien zur Sanktionierung von Glauben, Wahrheit und Moral?

 

Beispiel Benedikt XVI:

"Der Versuch...,  dem Begriff des Christentums als religio vera (wahre Religion) wieder einen einsichtigen Sinn zu geben, muss sozusagen auf Orthopraxie und Orthodoxie gleichermaßen setzen".

(Benedikt XVI., alias Kardinal Ratzinger, "Glaube, Wahrheit, Toleranz", Herder, 2004)

 

„Den Zugang zu einem guten und glückseligen Leben eröffnet allein die wahre Religion, welche nur einen Gott verehrt, Jesus Christus hat die Lehre der wahren Religion zu den Menschen gebracht".

(Augustinus, "De vera religione")

 

Für Benedikt XVI. setzt die orthodoxe Theologie, (zu der er sich bekennt, siehe Zitat oben) einen erkenntnistheoretischen Realismus voraus; in seiner absoluten, platonischen Form bedeutet dies: Universalia sunt realia ante rem, d. h. Ideen, Abstraktionen haben Substanz, die Universalien (z. B. Wahrheit, Schönheit, Gerechtigkeit, etc) bestehen vor und unabhängig von den Dingen (Platon'sche Ideenlehre). Das menschliche Bewusstsein sei auf die Wahrheit eingerichtet, es könne die Wahrheit als "Absolutheit des in Christus hörbar gewordenen göttlichen Anrufs" in der Offenbarung und in der Natur erkennen. Der Papst insistiert darauf, dass das Göttliche grundsätzlich durch eine rationale Analyse der Wirklichkeit wahrgenommen werden könne. An der inneren Ordnung der Natur könne der Mensch die schöpferische Weisheit (Gottes) ablesen. »Gott kann im Lichte der Vernunft erkannt werden«, heißt denn auch ein traditionelles Grundprinzip des christlichen Glaubens, vor allem in seiner katholischen Ausprägung. Aber nicht nur die Ordnung der Dinge kann erkannt werden, sondern auch der Wille Gottes in Bezug darauf, wie der Mensch (gottgefällig) zu leben habe. Auch die von Gott gewollte sittliche Ordnung, in die sich der Mensch bescheiden und demütig einzufügen habe, könne von der menschlichen Vernunft nachgezeichnet werden.

Damit folgt Benedikt XVI. Augustinus, für den die Offenbarung der Wahrheit die Schöpfung selbst war, und die Wahrheit der „Heiligen Schrift“. Dabei sind für den Papst die Frage nach dem Wahren und die Frage nach dem Guten nicht voneinander zu trennen.

"Wenn das Wahre nicht mehr erkennbar und vom Unwahren nicht mehr unterscheidbar ist, so wird auch das Gute unerkennbar; die Unterscheidung zwischen dem Guten und dem Bösen verliert ihren Grund."

(Benedikt XVI., alias Kardinal Ratzinger, "Glaube, Wahrheit, Toleranz", Herder, 2004).

 

Die Auseinandersetzung zwischen "Gut" und "Böse" wird von der katholischen Kirche bis heute in ihre konservative Werteordnung und die traditionelle kirchliche Auffassung von "Moral" eingebaut. Das gaukelt jedoch eine falsche Sicherheit vor: Diese Weltsicht soll den Gläubigen die Überzeugung vermitteln, selbst auf der Seite des "Heils" zu stehen (Gut), andererseits aber von ungläubigen Feinden umgeben zu sein (Böse). Leider lehrt uns eine 2000-jährige Geschichte, dass religiöse und andere Ideologien keine Verbesserung des Zustandes der Welt herbeiführten, das Gegenteil ist eher der Fall und die meisten Kriege waren Glaubenskriege aus "Überzeugung" oder auf eine andere Weise religiös motiviert. Was gestern von der Kirche als "gut" gepredigt wurde, kann morgen als "böse" beurteilt werden (beste Beispiele sind Kreuzzüge und Inquisition. Oder: Hat früher die Kirche die Religionsfreiheit verworfen, weil sie nicht dem Willen Gottes entspreche, wird sie seit dem II. Vaticanum als Menschenrecht – und damit als gottgewollt – anerkannt; früher wurden die Juden als »Gottesmörder« gebrandmarkt, heute sieht man in ihnen eine »Geschwisterreligion«). Daraus folgt, dass "gut" und "böse" relative Begriffe sind und wenn man "gut" und "wahr" gleichsetzt, ist natürlich auch "wahr" relativ. Somit kann auch das Lehramt der Kirche die "Wahrheit" nicht pachten.

Augustinus' Fehldeutung des "Bösen", der "Sünde" beruhte darauf, dass er die Bibel durch das Prisma des Dualismus las – und das wird tragischerweise von den meisten zeitgenössischen Theologen, auch von Benedikt XVI. als Dogma akzeptiert. Die Lehre der Erbsünde hat jedoch allem Augenschein nach mehr mit Augustinus' Wunsch zu tun, den griechischen Philosophen nachzueifern, als der 'Heiligen Schrift' gerecht zu werden.

 

"Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Wir können daher Fragen dieser Art überhaupt nicht beantworten, sondern nur ihre Unsinnigkeit feststellen. Die meisten Fragen und Sätze der Philosophen beruhen darauf, dass wir unsere Sprachlogik nicht verstehen. (Sie sind von der Art der Frage, ob das Gute mehr oder weniger identisch sei als das Schöne - [oder das Wahre]) Und es ist nicht verwunderlich, dass die tiefsten Probleme eigentlich 'keine' Probleme sind". (Ludwig Wittgenstein (1889-1951) Tractatus logico-philosophicus 4.003) 
 

 

Einschub: Friedrich Nietzsche ("Antichrist")

"- (Gehen wir) einen Schritt weiter in der Psychologie der Überzeugung, des "Glaubens". Es ist schon lange von mir zur Erwägung anheim gegeben worden, ob nicht die Überzeugungen gefährlichere Feinde der Wahrheit sind als die Lügen (Menschliches, Allzumenschliches I, Aphorismus 54 u. 483). Diesmal möchte ich die entscheidende Frage tun: besteht zwischen Lüge und Überzeugung überhaupt ein Gegensatz? - Alle Welt glaubt es; aber was glaubt nicht alle Welt! - Eine jede Überzeugung hat ihre Geschichte, ihre Vorformen, ihre Tentativen und Fehlgriffe: sie wird Überzeugung, nachdem sie es lange nicht ist, nachdem sie es noch länger kaum ist. Wie? könnte unter diesen Embryonal-Formen der Überzeugung nicht auch die Lüge sein? - Mitunter bedarf es bloß eines Personen-Wechsels: im Sohn Überzeugung, was im Vater noch Lüge war. - Ich nenne Lüge: etwas nicht sehn wollen, das man sieht, etwas nicht so sehn wollen, wie man es sieht: ob die Lüge vor Zeugen oder ohne Zeugen statt hat, kommt nicht in Betracht. Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall. - Nun ist dies Nicht-sehn-wollen, was man sieht, dies Nicht-so-sehn-wollen, wie man es sieht, beinahe die erste Bedingung für alle, die Partei sind, in irgend welchem Sinne: der Parteimensch wird mit Notwendigkeit Lügner. Die deutsche Geschichtsschreibung zum Beispiel ist überzeugt, dass Rom der Despotismus war, dass die Germanen den Geist der Freiheit in die Welt gebracht haben: welcher Unterschied ist zwischen dieser Überzeugung und einer Lüge? Darf man sich noch darüber wundern, wenn, aus Instinkt, alle Parteien, auch die deutschen Historiker, die großen Worte der Moral im Munde haben, - dass die Moral beinahe dadurch fortbesteht, dass der Parteimensch jeder Art jeden Augenblick sie nötig hat? - "Dies ist unsre Überzeugung: wir bekennen sie vor aller Welt, wir leben und sterben für sie, - Respekt vor allem, was Überzeugung hat!" - dergleichen habe ich sogar aus dem Mund von Antisemiten gehört. Im Gegenteil, meine Herrn! Ein Antisemit wird dadurch durchaus nicht anständiger, dass er aus Grundsatz lügt ... Die Priester, die in solchen Dingen feiner sind und den Einwand sehr gut verstehen, der im Begriff einer Überzeugung, das heißt einer grundsätzlichen, weil zweckdienlichen Verlogenheit liegt, haben von den Juden her die Klugheit überkommen, an diese Stelle den Begriff "Gott", "Wille Gottes", "Offenbarung Gottes" einzuschieben. Auch Kant, mit seinem kategorischen Imperativ, war auf dem gleichen Wege: seine Vernunft wurde hierin praktisch. - Es gibt Fragen, wo über Wahrheit und Unwahrheit dem Menschen die Entscheidung nicht zusteht; alle obersten Fragen, alle obersten Wert-Probleme sind jenseits der menschlichen Vernunft ... Die Grenzen der Vernunft begreifen, - das erst ist wahrhaft Philosophie ... Wozu gab Gott dem Menschen die Offenbarung? Der Mensch kann von sich nicht selber wissen, was gut und böse ist, darum lehrte ihn Gott seinen Willen ... Moral: der Priester lügt nicht, - die Frage "wahr" oder "unwahr" gibt es nicht in solchen Dingen, von denen Priester reden; diese Dinge erlauben gar nicht zu lügen. Denn um zu lügen, müsste man entscheiden können, was hier wahr ist. Aber das kann eben der Mensch nicht; der Priester ist damit nur das Mundstück Gottes. - Ein solcher Priester-Syllogismus ist durchaus nicht bloß jüdisch und christlich; das Recht zur Lüge und die Klugheit der "Offenbarung" gehört dem Typus Priester an, den Décadence-Priestern so gut als den Heidentums-Priestern (- Heiden sind alle, die zum Leben ja sagen, denen "Gott" das Wort für das große Ja zu allen Dingen ist). - Das "Gesetz", der "Wille Gottes", das "heilige Buch", die "Inspiration" - alles nur Worte für die Bedingungen, unter denen der Priester zur Macht kommt, mit denen er seine Macht aufrecht erhält, - diese Begriffe finden sich auf dem Grunde aller Priester-Organisationen, aller priesterlichen oder philosophisch-priesterlichen Herrschaftsgebilde. Die "heilige Lüge" - dem Konfuzius, dem Gesetzbuch des Manu, dem Mohammed, der christlichen Kirche gemeinsam -: sie fehlt nicht bei Plato. "Die Wahrheit ist da": dies bedeutet, wo nur es laut wird, der Priester lügt" ...

 

Benedikt XVI. befindet hinsichtlich der Wahrheit, dass die fundamentale Gegebenheit für das Christentum  nicht das Tun sei, sondern das Sein. So sei es kein Zufall gewesen, dass das christliche Evangelium zuerst unter dem Schutz der griechischen Philosophie in die Welt getreten sei, mit deren Orientierung an ewiger Wahrheit. (Auch so kann man es im Nachhinein sehen, denn tatsächlich hat das Christentum der Antike bis ins Mittelalter hinein die griechische Philosophie als Ketzerei gebranntmarkt und eliminiert.). Und weil das alles so ist, folgert der Papst: »Der christliche Glaube beruht auf ErkenntnisDer Glaube ist ihm daher zuerst Philosophie und Aufklärung, nicht Religion. »Im Christentum ist Aufklärung Religion geworden«, formuliert Ratzinger in seinem Buch "Glaube – Wahrheit –Toleranz", (Herder 2004) und zwar deshalb, weil Gott selbst »in die Religion eingetreten« sei: durch seine Menschwerdung in dem Menschen Jesus von Nazaret. Benedikt XVI. folgt auch hier dem Philosophen Augustinus auf seiner Suche nach und der Erkenntnis von Wahrheit, wie wir es oben sahen. Hierin liegt auch der Grund für die Ablehnung der Befreiungstheologie mit ihrem politischen Engagement durch Benedikt XVI.. Er befindet, dass in diesem politischen System jede Versicherung des Glaubens oder der Theologie einem politischen Kriterium untergeordnet würde, das wiederum vom Klassenkampf (dem "Tun") abhinge, als treibender Kraft der Geschichte. Dieser "Irrtum" führe dazu, das Christentum als Mittel darzustellen, die Welt zu verändern, und den Glauben selbst auf diese politische Veränderung zu verlagern und zu begrenzen.  Damit würde aus objektiver (transzendenter) Wahrheit eine Wahrheit, die nur für die Befreiung wirkungsvoll sei und dies käme einer Leugnung Gottes gleich! (Diese Anklage der Missachtung der Wahrheit war für die Anhänger der Befreiungstheologie besonders beleidigend, da sie genau deswegen eingesperrt, geschlagen und getötet wurden, weil sie zur Entlarvung der Brutalität des Regimes die Wahrheit des Evangeliums entgegen hielten).

So erweist sich Benedikt XVI. als akademischer Theoretiker der christlichen "Wahrheit": Wie für Augustinus besteht das Ziel des Verstehens darin, sich über die materiellen Dinge des Lebens, über das "Tun" zu erheben und Gott zu begegnen - als „erhabene Gegenwart des "Seins" in der Seele der Weisen, wenn ihr Geist sich über die Materie erhebt". Die letzte (und objektive) göttliche Wahrheit habe sich, so der Papst, endgültig und allein in der Person und im Leben Jesu von Nazaret gezeigt, "offenbart". Diese Wahrheit sei "von außen" – oder "von oben" oder wie immer man es formulieren will – in die Geschichte der Menschheit eingetreten. In der Person Jesu habe sich die "Vernunft des Weltalls als Liebe offenbart". Erst durch das Christentum und seine originelle Verbindung von "die Wahrheit aufdeckendem Denken" und "tätiger Liebe" (Siehe auch "Enzyklika DEUS CARITAS EST", die theologisierte Form von Fromms "Die Kunst des Liebens") sei der religiöse Monotheismus, also der Ein-Gott-Glaube des Judentums, zum erkennbaren Heilsweg für alle Menschen geworden – über alle Kulturen hinweg. Deswegen könne das Christentum den universalen Anspruch erheben, allein die befreiende und tröstliche Wahrheit, was das Leben im Kern ausmache und wie es gelebt werden sollte, zu »besitzen«. Denn richtig leben und sterben könne man nur »im Licht der Wahrheit«, behauptet Benedikt XVI. Obwohl für ihn der Streit um die Wahrheit eine existenzielle Frage ist, eine Frage auf Leben und Tod, wird sie in erster Linie auf akademischer Ebene ausgefochten. Beispiele hierfür von Benedikt XVI.:

 

»"Himmel" bedeutet Teilhabe an der Existenzform Christi.. Der Himmel kann deshalb nicht räumlich bestimmt werden, weder außerhalb noch innerhalb unseres Raumgefüges, aber er kann auch nicht einfach als "Zustand" vom Zusammenhang des Kosmos abgelöst werden. Vielmehr bedeutet er jene Weltmächtigkeit, die dem neuen "Raum" des Leibes Christi - der Communio der Heiligen - zukommt. So ist Himmel nicht räumlich, sondern essentiell "oben". Von da aus ist Recht und Grenze der überlieferten Bildwörter zu bestimmen: Sie bleiben wahr, wenn sie die Überlegenheit, die Freiheit von den Zwängen der Welt und die weltbezogene Macht der Liebe darstellen. Sie werden falsch, wenn sie den "Himmel" gänzlich aus der Welt ausgrenzen oder ihn auf irgend eine Art, als oberstes Stockwerk etwa in sie eingrenzen.«

(Joseph Kardinal Ratzinger, "Skandalöser Realismus?", Urfeld 2005)

 

Dieses Beispiel verdeutlicht mehrerlei:

1. Das hebräische Wort für "Himmel" schamajim (Mehrzahl) und griechisch ouranos (sichtbar wie unsichtbar) bezeichnete ursprünglich das, was über der Erde und dem Meer ist und war auch als "Reich Gottes" durchaus räumlich festgelegt. Nach frühjüdischen Vorstellungen hatte der Himmel mehrere "Stockwerke" (drei, sieben oder zehn), das Paradies dachte man sich im "dritten Himmel" (2. Kor 12,2, 12,4). Gemäß Eph 4,8-10, 6,12 ist der Raum zwischen Himmel und Erde von dämonischen Mächten beherrscht. Man stieg zum Himmel hinauf und kam vom Himmel herab, hatte einen Platz im Himmel und Paulus wurde bei seinem Damaskuserlebnis von einem hellen Licht vom Himmel umgeben, heller als die Sonne. Das zeigt, dass der Himmel als Bereich des Göttlichen durchaus räumlich oben verstanden wurde und zwar dem Wortsinn nach.

2. Das Subjekt "Kirche" ist insbesondere seit der Aufklärung auch dazu notwendig, um die mögliche Vieldeutigkeit allegorischer Bibelauslegungen zu vereinheitlichen (Lehramt der Kirche). Wahr ist, was das Lehramt befiehlt.

3. Die "Existenzform Christi" ist als menschlich interpretierte "Communio der (katholischen) Heiligen" qualitativ den Ideen Platons zuzuordnen als Gedanken über eine Welt, in der Ideale und Ideen vorliegen, auf die der Mensch zurückgreift um alles, was er wahrnimmt, an diesen Idealen zu messen; fiktive Ausdruckskraft eines obersten Weltprinzips; "Weltmächtigkeit" als Modell der katholischen Theologie; hypothetische Vorstellung; symbolische Allegorie; schöngeistige Expression.

4. So bleiben die alten Bilder der göttlichen Offenbarung aus der Bibel wahrhaftig wahr, wenn man sie entsprechend (und hoffentlich richtig) interpretiert, "Raum" als "Freiheit von den Zwängen der Welt", "oben" als "Überlegenheit der weltbezogenen Macht der Liebe", "Himmel" als "Teilhabe an der Existenzform Christi"! (Da komme erst mal einer drauf!) Und sie werden neuerdings dann falsch, wenn man sie wie früher auslegt: "Himmel" als "Gegenüber zur Erde", als "mehrstufiges" Reich Gottes. "Oben" als geografisches "Oben". Man frage einmal einen einfachen Gläubigen wo sich sein Himmel befindet, in den er einst (hoffentlich) kommen wird.

5. Besonders interessant wird die Interpretation des Himmels hinsichtlich des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Mariens dortselbst:

Apostolische Konstitution "Munificentissimus Deus":

"Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die Unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde."

(Daher kann es von ihr auch auf Erden keine Knochenreliquien geben).

Wo nun ist ihr Leib? In der Freiheit von den Zwängen der Welt? In der Überlegenheit der weltbezogenen Macht der Liebe? In der Teilhabe an der Existenzform Christi? (als geistige Wesenheit, geistige Substanz?)

Offensichtlich wird hier, wie bei Paulus, Sinn zu Unsinn.

Hatte Nietzsche, betrachtet man vorstehendes und seinen Ausführungen nachfolgende Beispiele Benedikts, nicht Recht, wenn er in seinem "Antichrist" schreibt:

 

Einschub: Friedrich Nietzsche, ("Antichrist").

"Gerade der Gegensatz zu allem Ringen, zu allem "sich in Kampf fühlen" ist hier Instinkt geworden: die Unfähigkeit zum Widerstand wird hier Moral ("widerstehe nicht dem Bösen!" das tiefste Wort der Evangelien, ihr Schlüssel in gewissem Sinne), die Seligkeit im Frieden, in der Sanftmut, in "nicht Feind sein können". Was heißt "frohe Botschaft"? Das wahre Leben, das ewige Leben ist gefunden, - es wird nicht verheißen, es ist da, es ist in euch: als Leben in der Liebe, in der Liebe ohne Abzug und Ausschluss, ohne Distanz. Jeder ist das Kind Gottes - Jesus nimmt durchaus nichts für sich allein in Anspruch -, als Kind Gottes ist jeder mit jedem gleich ...  Unser ganzer Begriff, unser Kultur-Begriff "Geist" hat in der Welt, in der Jesus lebt, gar keinen Sinn.... Wir kennen einen Zustand krankhafter Reizbarkeit des Tastsinns, der dann vor jeder Berührung, vor jedem Anfassen eines festen Gegenstandes zurückschaudert. Man übersetze sich einen solchen physiologischen habitus in seine letzte Logik - als Instinkthass gegen jede Realität, als Flucht ins "Unfassliche", ins "Unbegreifliche", als Widerwille gegen jede Formel, jeden Zeit- und Raumbegriff... als zu Hause sein in einer Welt, an die keine Art Realität mehr rührt, einer bloß noch "inneren" Welt, einer "wahren" Welt, einer "ewigen" Welt ... "Das Reich Gottes ist in euch ...

Das "Himmelreich" ist ein Zustand des Herzens, - nicht etwas, das "über die Erde" oder "nach dem Tode" kommt. Der ganze Begriff des natürlichen Todes fehlt im Evangelium: der Tod ist keine Brücke, kein Übergang, er fehlt, weil einer ganz andern, bloß scheinbaren, bloß zu Zeichen nützlichen Welt zugehörig. Die "Todesstunde" ist kein christlicher Begriff, - die "Stunde", die Zeit, das physische Leben und seine Krisen sind gar nicht vorhanden für den Lehrer der "frohen Botschaft" ...
Das "Reich Gottes" ist nichts, das man erwartet; es hat kein Gestern und kein Übermorgen, es kommt nicht in "tausend Jahren", - es ist eine Erfahrung an einem Herzen; es ist überall da, es ist nirgends"...

 

Dazu auch das weitere Beispiel der Begabung Benedikts in moderner, allegorischer Exegese, hier zur Eucharistie, beim Abschlussgottesdienst zum Weltjugendtag 2005:

"...Wie kann Jesus seinen Leib austeilen und sein Blut? Indem er Brot zu seinem Leib und Wein zu seinem Blut macht und austeilt, nimmt er seinen Tod vorweg, nimmt er ihn von innen her an und verwandelt ihn in eine Tat der Liebe. Was von außen her brutale Gewalt ist, wird von innen her ein Akt der Liebe, die sich selber schenkt, ganz und gar. Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschah und die dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles in allem sei. Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben. Weil er den Tod in Liebe umformt, darum ist der Tod als solcher schon von innen her überwunden und Auferstehung schon in ihm da. Der Tod ist gleichsam von innen verwundet und kann nicht mehr das letzte Wort sein. Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins – der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht. Darum sprechen wir von Erlösung: Das zuinnerst Notwendige ist geschehen, und wir können in diesen Vorgang hineintreten. Jesus kann seinen Leib austeilen, weil er wirklich sich selber gibt".

Ein Meisterwerk allegorischer Interpretationskunst. Drei Grundpfeiler katholischer Dogmatik auf einer DIN A 4 Seite erklärt. Die Wandlung (Transsubstantiation)  von Brot und Wein in Leib und Blut Christi zu verstehen als Verwandlung des Todes durch seine innere Annahme in eine Tat der Liebe zur Verwandlung der Welt dahin, dass Gott alles in allem sei! Tod wird Liebe, Liebe siegt über den Hass, ergo siegt Liebe über den Tod, ist Auferstehung durch die "innere Überwindung" des Todes gegeben, und diese innere Explosion des Guten ist unsere Erlösung. Endlich sagt mal die höchste Autorität, was es mit Wandlung, Auferstehung und Erlösung wirklich auf sich hat. Hoffentlich haben die Gläubigen gut zugehört und auch begriffen, dass es sich bei den kirchlichen Heils - Ver - sprechungen um Parabeln und Metaphern handelt.

 

Einen besonderen Schnitzer leistete sich der Schöngeist Benedikt XVI im September 2006 bei einer Vorlesung an der Uni Regensburg anlässlich seines Bayern - Besuches: Er zitiert einen Dialog, welchen der gelehrte byzantinische Kaiser Manuel II. Palaeologos wohl 1391 im Winterlager zu Ankara mit einem gebildeten Perser über Christentum und Islam und beider Wahrheit führte.

Manuel II soll gesagt haben: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten. Gott hat kein Gefallen am Blut”, sagt er, „und nicht vernunftgemäß, nicht „σὺνλόγω” zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider..."

Dass dieses Zitat den Zorn der moslemischen Welt hervorrufen musste liegt auf der Hand. Wenn Benedikt sich zum Anwalt der kleinen Leute im Christentum aufschwingt, die den intellektuellen Auseinandersetzungen auf philosophischer Ebene nicht gewachsen sind, dann muss er dies erst recht den einfachen und ungebildeten Leuten im Islam zubilligen. Die gewalttätigen Reaktionen waren vorhersehbar und so war der Rest denn auch nur Schadensbegrenzung.

Zudem: Wer selbst im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen, denn am Beginn des Christentums steht eine Blutorgie, zum einen durch die Eliminierung von Heiden, Andersdenkenden und Ketzern, und zum andern indem Gott die Vernunft, eben den Logos in der Person Jesu Christi, grausamst martern und ans Kreuz schlagen lässt, angeblich zur Erlösung der Menschheit! Der Logos jedoch ging wohlweislich zurück in den Himmel. (Siehe dazu auch: Der verloren gegangene Logos).
Und Johannes, der im Prolog seines Evangeliums einen vorchristlichen Hymnus über den Logos zitiert und auslegt, schreibt in Offenbarung 19,13: „Er ist umkleidet mit einem Gewand, das mit Blut getränkt ist, und sein Name heißt: der Logos – das Wort – Gottes.“ Und in 6,9: „Ich sah unter dem Altar die Seelen derer, die hingemordet waren um des Wortes Gottes (Anm.: des Logos) willen...“
Das jüdische religiöse Denken zur Zeit Jesu und im Urchristentum (auch bei den Diasporajudenchristen im hellenistischen Umfeld) war mit apokalyptischen, endzeitlichen Vorstellungen verknüpft und dieser Überzeugung zufolge setzte das Reich Gottes das Blut der Heiligen und Märtyrer voraus zur Sühne und Erlösung. So in der Offenbarung des Johannes nachzulesen. Man kann sich nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, die gerade am besten schmecken, sondern man muss als Vorbild auch den ganzen Kuchen essen, wie es die Kirche von den Gläubigen in der Akzeptanz der so genannten "Heiligen Schrift" fordert, auch in ihren blutrünstigen Passagen.
Jüdische Apokalyptik, hellenistische Vernunft und moderne Naturwissenschaft gehen einfach nicht zusammen, man kann sich nur für das eine oder das andere entscheiden.
Symptomatisch dafür sind die unterschiedlichen Auffassungen des philosophischen Theologen Benedikt XVI und des theologischen Naturwissenschaftlers George V. Coyne, Jesuit und bis 2006 Chefastronom des Vatikans, sowie Leiter der päpstlichen Sternwarte in Castelgandolfo. Letzterer befindet, dass Gott die Welt ganz sicher nicht nach einem fertigen Plan geschaffen habe, sondern als ein für zufällige Entwicklungen offenes Universum. Er findet die Behauptung der christlichen Religion, der Mensch sei das Zentrum des Universums, für unvereinbar mit den Erkenntnissen der Wissenschaft, und in einem Schöpfungsprozess, den er als kontinuierlichen und evolutionären verstehe, habe der Wunsch der Katholiken nach einer speziellen Rolle Gottes für den Menschen einen schweren Stand. Also sei es Aufgabe der Theologen, neue Interpretationen der Glaubenslehre zu finden... die Schrift neu zu interpretieren.

Genau dazu aber ist die katholische Kirche nicht fähig:

Einen zweiten Schnitzer, der weit mehr Entsetzen in der Weltöffentlichkeit hervorrief, leistete sich der Papst im Januar 2009, als er die Aufhebung der Exkommunikation für vier  erzkonservative Bischöfe der „Piusbruderschaft“ vornahm, darunter ein Holocaustleugner namens Williamson. Was hat es mit dieser Bruderschaft auf sich? 

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (kurz Piusbruderschaft) ist eine „Priestervereinigung, die unter der Führung des exkommunizierten  (aus der katholischen Kirche ausgeschlossenen) Erzbischof Marcel Lefebvre am 1. November 1970 entstand. Die Gründung der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist als Gegenbewegung zur nachkonziliaren Entwicklung des 2. vatikanischen Konzils zu verstehen, denn die Priesterbruderschaft lehnt die Beschlüsse dieses Konzils als Teufelswerk ab, z.B. die Liturgiereform oder die Ökumene, das Laienapostolat, die Religionsfreiheit und die Anerkennung der religiösen Wahrheiten des Judentums und anderer Religionen und wendet sich wie Pius X. gegen den Modernismus. Diese Haltung führte zu einem kontinuierlichen Streit mit Vertretern der römischen Amtskirche. Zum Bruch kam es, als Lefebvre aus Altersgründen 1988 ohne päpstliche Erlaubnis die vier oben genannten Bischöfe weihte, um den Bestand seiner Gründung zu sichern. Als Strafe für diese Bischofsweihen wurde am 2. Juli 1988 die Exkommunikation über Erzbischof Lefebvre und die von ihm geweihten vier Bischöfe ausgesprochen. Lefebvre nahm den Standpunkt ein, dass die Bischofsweihen aus einer kirchlichen Notlage heraus – der Sicherung der Bruderschaft gegen den modernistischen Widerstand aus Rom – vorgenommen wurden und deswegen rechtmäßig seien. (Lefebvre starb 1991). Seither regelmäßig stattfindende Gespräche zwischen Rom und der Bruderschaft brachten keine Ergebnisse. Die vier von Lefebvre geweihten Bischöfe galten bis dato als exkommuniziert, was freilich von der Piusbruderschaft wiederum nicht anerkannt wurde.

Allgemein ist es Katholiken vom Vatikan zugestanden, die hl. Messen der Bruderschaft zu besuchen, die vollständig in Latein gehalten werden, der Priester mit dem Rücken zum Volk. Auch der Sakramentenempfang ist gültig und erlaubt. So nahm der Vatikan absichtlich einen unklaren Standpunkt ein, war jedoch bestrebt, aus Gründen der Einheit der Kirche, diesen Zustand zu überwinden, was schließlich zur heftig umstrittenen Amtshandlung Benedikts XVI  im Januar 2009 führte.

Es geht also nicht vordergründig um Antisemitismus, oder eine Billigung des in der Piusbruderschaft fortlebenden katholischen Antijudaismus, sondern um die zunächst bedingungslose Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe, deren rückwärts gewandte Einstellung Benedikt XVI natürlich kraft Amtes noch aus seiner "Ratzinger-Zeit" her kannte. Dadurch geschah eine indirekte Unterwerfung unter die vorkonziliare Piusbruderschaft. Die nachträglich erfolgten Auflagen für die vier  Lefebvre-Bischöfe, die Bestimmungen des 2. vatikanischen Konzils anzuerkennen hätten an den Anfang dieses Prozesses gehört, um ihre wahre Gesinnung zu ergründen. In der geschehenen Abfolge jedoch hat der in vielen Dingen der Alltagswelt unbedarfte Papst das Ansehen seines Amtes und seiner Kirche von innen her beschädigt, wie es von außen her nicht schlimmer hätte geschehen können.  Das ist die kirchlich-theologische Dimension dieses ungeheuren Vorgangs. Die politische nach außen hin  wirkende Dimension  um die Rehabilitierung des Lefebvre-Bischof  und Holocaust-Leugner Williamson ist damit noch gar nicht gewürdigt.

Man muß sich schon fragen, was einen Papst zu einem solch widersprüchlichen Schritt bewegt; Ein Papst, der an dem Dokument "Ad Tuendam Fidem" mitarbeitete, welches die Beschlüsse eines ökumenischen Konzils als „auf Endgültigkeit hin aufgestellt“ sieht,  und die notwendig sind, um an den Grundwahrheiten des Glaubens in sich wandelnden Zeiten getreu festzuhalten. Was also bewegt einen solchen Papst, vier exkommunizierte Bischöfe, darunter einen Holocaustleugner, zu rehabilitieren, Bischöfe, die eben die Beschlüsse des 2. vatikanischen ökumenischen Konzils ablehnen und sogar Rom zurückführen wollen auf den Zustand vor dem Konzil!?

 Nicht zu Unrecht kommentierte die römische Zeitung «La Repubblica» :

«Er hat das Wohl der kirchlichen Struktur für wichtiger gehalten als die Rücksicht auf die Wahrheit und die Erinnerung an die Toten».


Und schließlich ein Beispiel des "Dialektiker" Benedikt XVI:

"Das Vaticanum II wollte nun mit der Subsistit-Formel – der katholischen Tradition getreu – genau das Gegenteil von „ekklesiologischem Relativismus” sagen: Die Kirche Jesu Christi gibt es. Er selbst hat sie gewollt, und der Heilige Geist schafft sie gegen alles menschliche Versagen seit Pfingsten immerfort und erhält sie in ihrer wesentlichen Identität. Die Institution ist nicht eine unvermeidbare, aber theologisch irrelevante oder gar schädliche Äußerlichkeit, sondern sie gehört in ihrem wesentlichen Kern zur Konkretheit der Inkarnation. Der Herr hält sein Wort: »Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen«.

An dieser Stelle wird es notwendig, dem Wort »subsistit« etwas genauer nachzuspüren. Das Konzil differenziert mit diesem Ausdruck die Formel Pius’ XII., der in seiner Enzyklika Mystici Corporis Christi gesagt hatte: Die katholische Kirche »ist« (est) der eine mystische Leib Christi. In der Differenz zwischen »subsistit« und »est« liegt das ganze ökumenische Problem verborgen. Das Wort »subsistit« stammt aus der in der Scholastik weiterentwickelten antiken Philosophie. Ihm entspricht das griechische Wort »hypostasis«, das in der Christologie eine zentrale Rolle spielt, um die Einung von göttlicher und menschlicher Natur in der Person Christi zu beschreiben. »Subsistere« ist ein Spezialfall von »esse«. Es ist das Sein in der Form eines eigenständigen Subjekts. Genau darum geht es hier. Das Konzil will uns sagen, dass die Kirche Jesu Christi in der katholischen Kirche als konkretes Subjekt in dieser Welt anzutreffen ist".

(Joseph Kardinal Ratzinger ("Über die Ekklesiologie der Konstitution "Lumen gentium", Vortrag vom 27.02.2000)

Das ist Dialektik pur. Intellektuelles Sprachgeplänkel. Wie bei Augustinus (siehe oben) wird Wahrheitsfindung zur akademischen, philosophischen Übung. Der in der Scholastik (Albertus Magnus) weiter entwickelte, terminologische, semantische Gott aus der antiken Philosophie in der Interpretation Ratzingers, bzw. Benedikts XVI zur Rechtfertigung des Alleinvertretungsanspruches der katholischen Kirche. Mein Gott - was für ein Gott!

"Wir sollten die altehrwürdige Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt, die wir im täglichen Leben "aus praktischen Gründen" treffen, im philosophischen Denken aufgeben. Es sind die gleichen Gegebenheiten, aus denen die Welt und mein Geist gebildet sind. Die Welt gibt es für mich nur einmal, nicht eine existierende 'und' eine wahrgenommene Welt. Subjekt und Objekt sind nur eines. Man kann nicht sagen, die Schranke zwischen ihnen sei unter dem Ansturm neuester physikalischer Erfahrungen ausgefallen; denn diese Schranke gibt es überhaupt nicht".

(Erwin Schrödinger, Geist und Materie, Zürich 1989).

 

"Bei dem Begriff "Substanz" wird wie bei dem des "Wesens" etwas in die Metaphysik übertragen, was nur eine sprachliche Vereinfachung ist; ein metaphysischer Irrtum, der dadurch entsteht, dass die Struktur von Subjekt-Prädikat-Sätzen auf die Struktur der Welt [und -schlimmer noch- induziert auf die "Überwelt"] übertragen wird".

(Bertrand Russell, Die Philosophie des Abendlandes, Wien 1988)

 

"Die Welt und das Leben sind Eins. Ich bin meine Welt. (Der Mikrokosmos.) Das denkende, vorstellende, Subjekt gibt es nicht. Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt. Das Ich tritt in die Philosophie dadurch ein, dass die "Welt meine Welt ist". Das philosophische Ich ist nicht der Mensch, nicht der menschliche Körper, oder die menschliche Seele, von der die Psychologie handelt, sondern das metaphysische Subjekt, die Grenze - nicht ein Teil der Welt.

"Wenn das gute oder böse Wollen die Welt ändert, so kann es nur die Grenze der Welt ändern, nicht die Tatsachen; nicht das, was durch die Sprache ausgedrückt werden kann. Kurz, die Welt muss dann dadurch überhaupt keine andere werden. Sie muss sozusagen als Ganzes abnehmen oder zunehmen. Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen.
Wie auch beim Tod die Welt sich nicht ändert, sondern aufhört. Der Tod ist kein Ereignis des Lebens. Den Tod erlebt man nicht. Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt.
Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen, das heißt also ihr ewiges Fortleben nach dem Tode, ist nicht nur auf keine Weise verbürgt, sondern vor allem leistet diese Annahme gar nicht das, was man immer mit ihr erreichen wollte. Wird denn dadurch ein Rätsel gelöst, dass ich ewig fortlebe? Ist denn dieses ewige Leben dann nicht ebenso rätselhaft wie das gegenwärtige? Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt 'außerhalb' von Raum und Zeit. (Nicht Probleme der Naturwissenschaft sind ja zu lösen.)
'Wie' die Welt ist, ist für das Höhere vollkommen gleichgültig. Gott offenbart sich 'in' der Welt. Die Tatsachen gehören alle nur zur Aufgabe, nicht zur Lösung. Nicht 'wie' die Welt ist, ist das Mystische, sondern 'dass' sie ist".

(Ludwig Wittgenstein (1889-1951) Tractatus logico-philosophicus).

 Daraus folgt:

Kirchliche Wahrheit ist subjektive Interpretationssache.


F
ortschrittlichere Theologen betonen allerdings (wie auch die Philosophie) eine instrumentelle Sicht der Wahrheit: Wir können keine autoritativen ethischen Vorschriften anführen, die in die Ordnung des Seins eingebaut sind. Kein Gott hat die Gesetze des guten Verhaltens in den Gesetzen des Kosmos verankert. Die Natur kümmert sich nicht um gut und böse, richtig oder falsch. Wahrheit ist von Menschen erfunden, (universalia sunt nomina post rem: Ideen, Abstraktionen sind Namen und Bezeichnungen, die den Dingen folgen) einziger Maßstab  ist ihr praktischer Nutzen (Hilft der Glaube, eine bessere Welt zu errichten?) Benedikt dagegen erkennt die Wahrheit in der Offenbarung und sagt (als echter Dialektiker):  Die Sicht der modernen Theologie beinhaltet eine "falsche Demut", die dem Menschen  die Wahrheitsfähigkeit abspricht wie auch einen "falschen Hochmut" mit dem er sich über die Dinge, über die Wahrheit selber stellt, indem er die Ausweitung seiner Macht, die Herrschaft über die Dinge zum Ziel all seines Denkens erhebt. (Der falsche Hochmut der katholischen Kirche besteht wohl darin, sich im alleinigen Besitz der göttlichen, durch den "Heiligen Geist" übermittelten Wahrheit zu wähnen und diese nach Bedarf und abgestuft der Welt zu vermitteln): 

"Es darf keinen Dialog um den Preis der Wahrheit geben; der Dialog muss in Liebe und in der Wahrheit geführt werden... Die ekklesiologischen Fragen, besonders die Frage des geistlichen Amtes – des Priestertums – sind untrennbar verbunden mit der Frage nach dem Zusammenhang von Schrift und Kirche, nach der Instanz der rechten Auslegung des Gotteswortes und seiner Entfaltung im Leben der Kirche... Die Brüderlichkeit unter den Christen ist nicht einfach ein vages Gefühl, und ebenso wenig entspringt sie aus einer Art Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit. Sie ist in der übernatürlichen Wirklichkeit der einen Taufe begründet, die uns in den einen Leib Christi einfügt... Worum geht es bei der Wiederherstellung der Einheit aller Christen? Die katholische Kirche erstrebt das Erreichen der vollen sichtbaren Einheit der Jünger Christi...  Diese Einheit besteht nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche... In der Predigt am Hochfest der heiligen Petrus und Paulus am vergangenen 29. Juni habe ich hervorgehoben, dass volle Einheit und wahre Katholizität zusammengehen. Die notwendige Bedingung, damit dieses Miteinander sich verwirklichen kann, ist, dass der Einsatz für die Einheit ständig geläutert und erneuert wird, dass er beständig wächst und reift". (Ökumenisches Gespräch anlässlich des Weltjugendtages 2005).

Ein weiteres Glanzstück katholischer Dialektik und ein Beweis dafür, dass sich der "Heilige Geist" den verschiedenen Konfessionen wohl unterschiedlich mitteilt.

Hier nun erfolgt ein katholischer Spagat: denn für den Intellektuellen  liegt die Lösung der Wahrheitsproblematik in der Akzeptanz des offenbarten Glaubensbekenntnisses und Benedikt XVI versteht sich dabei als Anwalt der einfachen Gläubigen, der kleinen Leute, deren Glauben vor dem Einfluss von Intellektuellen (also auch vor seinem eigenen Einfluss?) bewahrt werden muss. 

 Glaube als Wahrheit

Glaubensbekenntnisse hatten stets den Vorteil, der kirchlichen  "Wahrheit", der schlichtweg zuzustimmen war, in kurz zusammen gefasster Form Ausdruck zu verleihen. Vom Bekennenden wurde mit dem Akzeptieren des Glaubensbekenntnisses seit Augustinus nichts weiter verlangt als das Akzeptieren einer Autorität - in diesem Fall die der Kirche als vom "Heiligen Geist" geleiteten "Offenbarungsträger". Und die Anstrengungen der Kirchenführung für eine Restauration dieses Zustandes  sind greifbar:
"Offenbarung ist immer größer, als das bloß Geschriebene. Das bedeutet, dass es ein reines "Sola scriptura" (Luther) nicht geben kann, dass zur Schrift das verstehende Subjekt "Kirche" gehört, womit auch schon der wesentliche Sinn von "Überlieferung" gegeben ist."

So Benedikt XVI in: (Aus meinem Leben 1998, Deutsche Verlags-Anstalt).

Anmerkung: Wenn Offenbarung an ein verstehendes Subjekt gebunden ist, dann muss deren Deutung subjektiv sein.

"Versuchen wir selber, Jesus Christus immer besser kennen zu lernen, damit wir überzeugend auch andere zu ihm führen können. Deswegen ist die Liebe zur Heiligen Schrift so wichtig, und deswegen ist es wichtig, den Glauben der Kirche zu kennen, in dem uns die Schrift aufgeschlüsselt wird: Es ist der Heilige Geist, der die Kirche in ihrem wachsenden Glauben immer weiter in die Tiefe der Wahrheit eingeführt hat und einführt".

(Benedikt XVI: Predigt beim Abschlussgottesdienst Weltjugendtag 2005). Und:

."Von Gott reden viele; im Namen Gottes wird auch Hass gepredigt und Gewalt ausgeübt. Deswegen kommt es darauf an, das wahre Antlitz Gottes zu finden... Das bedeutet, dass wir uns nicht einen privaten Gott und nicht einen privaten Jesus zurechtmachen, sondern dem Jesus glauben, vor dem Jesus uns beugen, den uns die Heiligen Schriften zeigen und der sich in der großen Prozession der Gläubigen, die wir Kirche nennen, als lebendig, als immer gleichzeitig mit uns und zugleich immer uns voraus zeigt"(Predigt bei der Vigil, Weltjugendtag 2005)

 

Da die "Heiligen Schriften" von menschlichen "Subjekten" geschrieben wurden, ist "göttliche Offenbarung" immer die Auslegung dessen, was menschliche Wahrnehmung in einer bestimmten Geschichtsepoche für göttliche Offenbarung hielt oder hält und damit natürlich auch subjektiv und der Möglichkeit des Irrtums und der Manipulation unterworfen, was eine 2000 – jährige Geschichte des Christentums ja hinreichend beweist.

"Wo wir in der Bibel – wie in den Evangelien – Parallelüberlieferungen desselben "Stoffes" haben, zeigt sich besonders klar, dass unterschiedliche Wahrnehmungs- und Erinnerungsgestalten auf einen gemeinsamen, vor aller literarischen Fassung liegenden Ursprung zurückgehen. Gegenüber dem gemeinsamen Ursprung der Jesus-Christus-Geschichte als dem primären Ereignis handelt es sich bei allen Literatur gewordenen christlichen Gottesszeugnissen im Neuen Testament und später um sekundäre, d.h. verschriftlichte Erinnerungsgestalten. Die Begegnungen wirklicher Menschen mit Jesus Christus sind literarisch so wenig erreichbar wie Jesus selbst, da er nichts Schriftliches aus eigener Hand hinterlassen hat... Auf einen besonderen Punkt – den der direkten Gottesrede – gebracht, heißt das: es gibt keine Möglichkeit, den Wortlaut bestimmter biblischer Texte in exklusiver Weise als direkte und unmittelbare, also authentische Gottesrede zu sanktionieren... Biblische und andere heilige Schriften sind keine Diktate Gottes. Kein biblischer Text ist kodifiziertes "Wort Gottes". An keiner Stelle... Wer die Bibel in theologischer Literatur oder kirchlichen Äußerung zitiert, muss deutlich machen, dass er verschriftlichte Erinnerungsgestalten ("die Überlieferung") (Anm.: subjektiv) auslegt und mit seiner Auslegung etwas Eigenes – nämlich das, was er verstanden hat (Anm.: relativ)  – neben eine im Dunkeln bleibende Begegnung, deren Wahrnehmung und literarische Erinnerung stellt."

(Klaus-Peter Jörns, Prof. Dr. theol., bis 1999 Professor für Praktische Theologie in Berlin).

 

Die offizielle kirchliche Wahrheitslehre legte sich stets eine paulinische Beschränkung auf, wenn es galt, letzte und absolute Glaubenswahrheiten für ihre Gläubigen zu formulieren. Für sie wird die Auffassung von Wahrheit aus der Bibel hergeleitet:  dort kann "wahr" nicht nur eine Aussage sein, sondern auch eine Person (vgl. Logos) oder Sache. Wahrheit meint gemäß Paulus  Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Treue, Halt gebende Wirklichkeit im Glauben.  Sie setzt sich fort bei Johannes  als "Geist Gottes" und muss das Leben der Glaubenden bestimmen (Joh 4,23-24; 1. Joh 1,6; 1,8; 2,4). Sie folgt der Aussage des Hebräerbriefs, wo es im ersten Vers des elften Kapitels heißt: „Der Glaube ist die feste Zuversicht auf das, was wir erhoffen, die Überzeugung von dem, was wir nicht sehen.“ Die Möglichkeit der "persönlichen Erleuchtung" und der "spirituellen Erfüllung in asketisch sinnlicher Erfahrung" über die Glaubenslehre hinaus lehnt die kath. Kirche heute ab, (ansonsten würde das Lehramt überflüssig). (Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre zu Aspekten christlicher Meditation vom 14.12.1989).

Als im Jahre 2004 Jürgen Habermas, der philosophische Chefdenker Deutschlands, und Kardinal Joseph Ratzinger miteinander sprachen, ging Ratzinger auf das zentrale Thema von Habermas nur am Rande ein. Habermas widmete zwei Drittel seines Statements dem politischen Liberalismus. Und was Ratzinger immer wieder weismachen will – nämlich dass die Hybris der Vernunft und die Pathologien der Religion sich nur in einem geordneten Zueinander von Vernunft (=Aufklärung) und Religion (=Christentum) in der Interpretation des katholischen Lehramts (!) meistern lassen –, ist genau das, was Habermas bestreitet. Gegen Ratzinger besteht Habermas darauf, dass eine »ihrer Fehlbarkeit und ihrer fragilen Stellung« bewusste Philosophie sich der allgemein zugänglichen Rede und Erkenntnis verpflichtet weiß. Habermas beschreibt, dass im modernen Säkularisierungsprozess Religionen und Kirchen ihren »Anspruch auf Interpretationsmonopol und umfassende Lebensgestaltung« aufgeben mussten. Damit will sich aber Papst Benedikt XVI. gar nicht bescheiden. Seine Formel lautet: »Freiheit ist nur in der Wahrheit.« Und diese Wahrheit wird nur vom katholischen Lehramt endgültig und verbindlich festgestellt. Wer sich aber als der einzig wahre Interpret von »Freiheit in Wahrheit« in der Menschheit versteht, stellt seine unkritisierbaren »Wahrheiten« über die Freiheit der Menschen und beansprucht, der letzte absolute Herrscher des Erdkreises zu sein – wenigstens in Glaubens- und Moralfragen. Dann aber macht die Wahrheit nicht frei, sondern sie unterjocht. (Norbert Copray Publik Forum)

Wenn die "Offenbarung" als geschriebenes und überliefertes Wort die entscheidende Rolle spielt, dann steht die kirchliche Wahrheit somit auf schwachen Füßen und bleibt relativ bescheiden. Man könnte sagen, die kirchlich vertretene Wahrheitslehre ist antiintellektuell. Sie appelliert an das schlichte Gemüt, das sich kindlich und liebevoll mit seinen Wünschen an Gott, die Bibel und die angeblich vom "Heiligen Geist" geleitete Kirche wendet. Und die Kirche betrügt ihre Gläubigen, indem sie deren naiven Fundamentalglauben, - den wörtlichen Glauben an die Märchen und Mythen der Bibel und deren aristotelisches "Für wahr halten" (als Übereinstimmung von Sache und Verstand) - wider besseren Wissens stützt und den einfachen Gläubigen eine Aufklärung verweigert.

 

 "Der christliche Gläubige ist eine einfache Person. Aufgabe der Bischöfe ist es deshalb, den Glauben dieser kleinen Leute vor dem Einfluss von Intellektuellen zu bewahren". (Benedikt XVI, alias Kardinal Ratzinger, Predigt vom 31.12.1979, zum Entzug der missio canonica für Hans Küng, zitiert nach "Allen,  Joseph Ratzinger, Patmos 2002").

 

"Ich habe zu meiner Hauptaufgabe die Verteidigung jener bestimmt, die sich nicht wehren können, denen gegen Angriffe auf ihren Glauben die Mittel eines theologischen Intellektualismus fehlen. Der einfache Gläubige muss das Recht haben, dass der Glaube in jeder Generation bewahrt wird. Denn die Kirche lebt in letzter Analyse in guten wie in schlechten Zeiten vom Glauben derjenigen, die einfachen Herzens sind."

(Benedikt XVI, alias Kardinal Ratzinger, Interview 1988 mit "Die Presse", Wien, zitiert nach "Allen,  Joseph Ratzinger, Patmos 2002")

 

 

Zusammengefasst:

Die kirchliche Wahrheit ist antiintellektuell und die theologische Wahrheit entzieht sich den sonstigen Gesetzmäßigkeiten, die dem allgemeinen Verständnis von Wahrheit zugrunde gelegt werden. Theologische Wahrheit entspricht nicht der philosophischen oder juristischen Wahrheit oder dem Alltagsverständnis von Wahrheit. Die Kirche setzt den Wahrheitsbegriff manipulativ bei ihren "Gläubigen" ein.

 

Merke:

"Sie sang vom irdischen Jammertal,
von Freuden, die bald zerronnen,
vom Jenseits, wo die Seele schwelgt,
verklärt in ewigen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
das Eiapopeia vom Himmel,
womit man einlullt, wenn es greint,
das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
ich kenn' auch die Herren Verfasser;
ich weiß, sie tranken heimlich Wein
und predigten öffentlich Wasser.
(Heinrich Heine, 1797-1856, Deutschland - ein Wintermärchen I)

 

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