Die Evolution

 

"Es ist für mich ebenso leicht, zu glauben, dass das Weltall sich selber geschaffen hat, als dass ein Schöpfer des Weltalls sich selber schuf, nein vielleicht sogar leichter, denn das Weltall existiert in sichtbarer Form und schafft sich selbst im Fortschreiten ständig neu, während ein Schöpfer dieses Weltalls eine Hypothese ist".
(George Bernhard Shaw, irischer Dramatiker u. Nobelpreisträger, 1856-1950)

 

 

http://marcbrecy.perso.neuf.fr/history.html

 

Grundprinzip der kosmischen Evolution:

Evolution ist ein kontinuierlicher Prozess. Der Kosmos ist in aufsteigender, wie in absteigender Linie aus Entitäten zusammengesetzt, die vier grundlegende Eigenschaften besitzen:

-Agenz (Fähigkeit zur Erhaltung der Ganzheit, Identität, Autonomie);

-Kommunion (Fähigkeit zur Erhaltung des Teilaspektes zur Einpassung in übergeordnete Ganzheiten);

-Selbst-Transzendenz durch Emergenz  (Fähigkeit, neue, zumeist höhere oder  komplexere Eigenschaften zu entwickeln, die immer über dasjenige hinausgehen, was vorher war; Vereinigung aus Fragmenten; Ganzheiten aus Haufen).

-Selbst-Dekomposition (Fähigkeit in Subentitäten zu zerfallen).

 

Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde: Am ersten Tag den Tag und die Nacht, am zweiten Tag das Himmelsgewölbe, am dritten Tag die Erde und das Meer, die Pflanzen und die Fruchtbäume, am vierten Tag Sonne, Mond und Sterne, am fünften Tag die Vögel und die Wassertiere, Vieh, Kriech- und Feldtiere, am sechsten Tag schließlich den Menschen, um sich am siebten Tag von den Strapazen auszuruhen. So sagt es die Bibel im ersten Buch Moses.

Allerdings stellten schon die Kirchenväter Gregor von Nazianz (330-390) und Augustinus (354-430) den biblischen Schöpfungsbericht infrage, dass sich nämlich Fauna und Flora auf der Erde nach dem göttlichen Schöpfungsakt nicht mehr verändert haben sollten, da unmöglich Paare aller bekannten Arten von Lebewesen auf der Arche Noah Platz gefunden hätten. Demnach müssten manche Arten erst später entstanden sein. Doch diese Erkenntnisse blieben für den Rest der Menschheit bis zur Aufklärung ohne Folgen, musste doch der Inhalt der Bibel unter Androhung von Strafe wörtlich geglaubt werden.

Erst im 18. und zunehmend im 19. Jahrhundert kamen Zweifel auf. Die Untersuchung von Fossilien ergab, dass sie meist von anderen Organismen stammten, als die lebenden Arten. Darüber hinaus erforschte man, dass je einfacher die Körperformen dieser versteinerten Kreaturen waren, um so älter die Gesteinsschichten, in denen man sie fand. Diese Entdeckungen deuteten auf gravierende Veränderungen im Laufe der Zeit und auf eine Entwicklung von "einfacheren" zu immer "höher entwickelten" Lebewesen hin, also auf eine "Evolution" (von lat. evolvere = entwickeln).

Als Charles Darwin (1809-1882) 1859 sein epochales Werk "On the Origin of Spezies by Means of Natural Selection" (Über die Entstehung der Arten durch natürliche Auslese) veröffentlichte, hatte er eine genial einfache Erklärung für die Vielfalt des Lebens und die Entstehung neuer Arten gefunden: Die Individuen einer Art sind unterschiedlich, diese Unterschiede werden vererbt, und jedes Elternpaar zeugt mehr Nachkommen, als existieren können. Daher überleben nur die stärksten und am besten Geeigneten und pflanzen sich erfolgreich fort. Durch diese natürliche Auslese passen sich die Lebewesen an ihre Umwelt an. Auch der Mensch ist ein Resultat dieses Wechselspiels aus Mutation (Veränderung von Erbinformationen), Vererbung und Selektion.

Die "Synthetische Theorie der Evolution" (Eine Weiterentwicklung der Darwin'schen Thesen), auch unter dem abwertenden Begriff "Neodarwinismus" bekannt,  nennt folgende Evolutionsfaktoren:
Mutation: ( Veränderung von Erbinformationen)
Rekombination: ( Neukombination von Erbanlagen )
Selektion: (Auslese: unterschiedlicher Fortpflanzungserfolg der Individuen einer Population aufgrund unterschiedlicher Eignung)
Genetische Drift: Veränderung der Gene einer Population aufgrund von Zufall (Umweltkatastrophen wie Feuer, Überschwemmungen oder Blitzeinschläge).

Epigenetische Vererbung: Form der Vererbung, bei der Organismen ihren Nachkommen einen bestimmten Zustand oder ein bestimmtes Merkmal vererben - ohne entsprechende Mutation der DNA-Sequenz.

 

Die Macht der Gene

Der ultimative Beweis für die Richtigkeit der Evolutionstheorie ist die moderne Genetik, von der Darwin noch nichts wusste. Das Forschungslabor von Craig Venter, in Rockville, Maryland, United States entschlüsselte  das menschliche Genom und auch das Genom verschiedener Tierarten . Venter bestätigt, dass die Evolution ein Fakt ist. Auch wenn es überhaupt keine Fossilien gäbe, würden seine Gensequenzen mehr als ausreichen, um die Evolution zu bestätigen.

 

Ganz aktuell: Die Influenzaviren, z. B. Das Schweinegrippe-Virus oder das Vogelgrippe-Virus. Influenzaviren schützen ihr Erbgut durch eine Eiweißhülle, deren wichtigste Proteine H (Hämaglutinin) und N (Neuraminidase) sind. Damit dringen Grippeviren in die Wirtszellen ein, die sie zur Vermehrung brauchen. H existiert in 19 Formen, N in sechs. Alle können miteinander kombiniert sein, was theoretisch 114 Influenzavarianten ergibt, die allerdings nicht alle realisiert sind. H1N1 und H3N2 sind zum Beispiel die gängigen Erreger-Kombinationen der saisonalen Grippe, H5N1 ist die gefährliche Variante der Vogelgrippe.
Die verschiedenen „Enterhaken“ H und N und weitere Helfer der Virushülle zwingen die Wirtszelle dazu, die Erbinformation des Grippevirus zu kopieren und neue Erreger freizusetzen. „Während dieser erzwungenen Vermehrung passieren jede Menge Fehler und dadurch entstehen
neue Virusvarianten. Vermutlich ist so auch die  H1N1-Variante der Schweinegrippe zustande gekommen“.  Manchmal entsteht durch falsches Kopieren auch ein völlig neuer Subtyp, der verheerend sein kann. Das war 1918 der Fall, als der vorher nicht im Menschen existierende Erreger H1N1 als "Spanische Grippe" mindestens 25 Millionen Todesopfer forderte.
Mit ihren - nach menschlichen Maßstäben - überaus schnellen Reproduktionszyklen führen Viren Evolution auf der Überholspur vor. Binnen weniger Jahre können sie durch Mutation und Selektionsdruck ganz neue Eigenschaften erlangen. Welche, lässt sich nur schwer vorhersagen. Deshalb vergleichen Virologen die Entwicklung aktueller Virenstämme mit der Evolution älterer Erreger. Das heißt im konkreten Fall: Wissenschaftler fanden heraus, dass das Protein, welches dem H5N1-Virus das Andocken an menschliche Zellen ermöglicht, dem von anderen Pandemie-Viren viel ähnlicher ist, als zunächst gedacht.

 

 

Spanische Grippe: Dieses H1N1-Virus löste

1918 eine Pandemie aus. In einigen Teilen

ähnelt ihm der Vogelgrippe-Erreger.

 

 

oder: Die Evolution des Aids-Virus

In den Slums von Nairobi breitet sich das Aids-Virus HIV aus und inzwischen entwickeln die ersten Menschen eine Resistenz gegen das Virus. Würde die natürliche Selektion beim Menschen noch ihre volle Wirkung zeigen, müssten die resistenten Menschen mehr fruchtbare Nachkommen erzeugen („Fitness“), bis wir letztlich immun gegen das Virus wären. Insofern ist das Aids-Virus und die Resistenz dagegen ein augenfälliges Beispiel für die Richtigkeit der Evolutionstheorie. Mit Hilfe der Wissenschaft kann man Virenresistenz zum Glück sehr viel schneller und humaner erreichen, als wenn man das Problem einfach der Natur überlassen würde und Forscher versuchen bereits herauszufinden, wodurch sie hervorgerufen wird, um Gegenmittel herzustellen.

 

 

oder: Evolution der Filzlaus

Vor 3,3 Millionen Jahren sprang die Filzlaus vom Affen zum Menschen über. Vermutlich holte sich Homo sapiens die Parasiten, als er in den Nestern von Gorillas schlief oder die Tiere jagte. Am wohlsten fühlen sich die Parasiten in den behaarten Regionen des menschlichen Körpers, die mit zahlreichen Schweißdrüsen ausgestattet sind - also im Schambereich. Bei starkem Befall krabbeln Filzläuse jedoch auch hinauf zu den Achselhöhlen, Augenbrauen, Wimpern und zum Haarschopf. Vor 3,3 Millionen Jahren haben die Schmarotzer den Menschen als Wirt entdeckt, wie US-Forscher um David Reed von der University of Florida in Gainesville jetzt herausgefunden haben. Damals schafften die Läuse den Wechsel vom Affen zu Homo sapiens.

Heute hausen sowohl Filz- als auch Kleider- und Kopfläuse in der menschlichen Haarpracht. Gorillas hingegen beherbergen nur Filz- und Schimpansen nur Kopfläuse. Um herauszufinden, ob die verschiedenen Spezies vor Millionen von Jahren einen gemeinsamen Vorfahren teilten, sammelten die Wissenschaftler zum einen Läuse von Menschen und zum anderen Parasiten, die Gorillas aus Naturschutzgebieten in Uganda befallen hatten.

Genom-Analysen ergaben: Die beiden jeweils auf ihren Wirt spezialisierten Arten hatten den Untersuchungen zufolge vor 3,3 Millionen Jahren gemeinsame Vorfahren, entwickelten sich seither aber unabhängig voneinander. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass es den Filzläusen des Gorillas damals erstmals gelang, sich in der Scham- und Achselbehaarung des Menschen einzunisten.

Die Forscher vermuten, dass sich Menschen die Läuse einfingen, als sie in den Nestern der Menschenaffen nächtigten oder die Affen jagten und aßen. Diese beiden Übertragungswege seien wahrscheinlicher als sexuelle Kontakte zwischen Mensch und Tier, schreiben Reed und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "BMC Biology".

"Anhand dieser Läuse können wir noch mehr darüber lernen, wie der Mensch sich entwickelt hat, und wie die Parasiten von einem Wirt zum nächsten überspringen", sagte Reed. Diese Eigenschaft von Läusen ist bereits seit längerem bekannt, da die Schmarotzer mit diesem Mechanismus ihr Überleben retten.

Spiegel Online 08.03.2007

 

Evolution des Gehirns

 

oder: "Warum wir immer schlauer werden."
Das Gehirn ist das perfekte Zukunftsorgan.
Der technologische Fortschritt zwingt unser Gehirn dazu, sich anzupassen. Die Evolution führt dauernd zu solchen Anpassungs- und Lernprozessen in der Architektur des Gehirns, wenn ein Lebewesen neue Anforderungen bewältigen muss die sich auch neuronal niederschlagen. Die Menschheitsgeschichte ist das beste Beispiel dafür. So hat beispielsweise der aufrechte Gang unser Gehirn massiv beeinflusst: Da die Hände frei wurden und der Daumen eine anatomische Sonderstellung einnimmt, haben sich die motorische Gehirnrinde und die Tastsinnfelder in der Großhirnrinde entsprechend angepasst; mit der Erfindung der Sprache ist aus dem Bereich im Motorcortex, der den Kehlkopf und die Zunge ansteuert, das Broca-Areal erwachsen, welches nicht nur die Motorik der Sprache steuert, sondern auch eine grammatikalische Schnellanalyse der Sprache vornimmt.
Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass solche Veränderungen sich schnell im Bauplan des Gehirns niederschlagen und dann genetisch fixiert sind.
Aber am Beispiel des Gyrus angularis sieht man, mit welcher Geschwindigkeit sich das Gehirn an neue Herausforderungen anpasst. Diese Region am Schläfenlappen ist fast ausschließlich für das Schreiben und Lesen zuständig und hat sich erst durch die lesende Gesellschaft, also in den letzten 500 Jahren, herausgebildet. Die Großhirnrinde, wozu auch der Gyrus angularis zählt, ist ein prädisponierter Platz für solche neuen Anforderungen, wenn man so will, ist unsere Großhirnrinde darauf ausgelegt, sich an kulturelle Errungenschaften anzupassen, und zwar in der Individualentwicklung eines Menschen, nicht durch eine Veränderung im genetischen Bauplan.
Manche Fähigkeiten werden zukünftig für unser Gehirn vielleicht weniger gefragt sein. Früher konnte und musste ich mir viele Telefonnummern merken, heute wählt der Blackberry automatisch alle abgespeicherten Nummern. Das heißt aber nicht, dass das Gehirn weniger gefordert sein wird. Es werden künftig neue oder andere Aufgabe auf uns zukommen, vor allem in der Beherrschung multifunktionaler Techniksysteme und im Umgang mit riesigen Datenmengen. Das heißt, wir werden immer schlauer und das bezeichnet man als den sogenannte Flynn-Effekt. Der durchschnittliche IQ der Bevölkerung steigt permanent an. Ein intelligenter Mensch aus dem Jahr 1930 würde heute als minderbemittelt gelten. Von 1930 bis heute stieg der IQ um über 30 Punkte.
Wenn trotzdem viele große Probleme der Welt immer noch ungelöst bleiben liegt das daran, dass sich die Intelligenz weitgehend nur individuell den gestiegenen Anforderungen angepasst hat. Man nimmt an, dass die allgemeine Schulpflicht, die Verstädterung und Technisierung dazu geführt haben, womöglich spielt aber auch die bessere Ernährung in großen Teilen der Bevölkerung eine Rolle bei der steten Zunahme des Intelligenzquotienten. Ein einfaches Beispiel: Allein durch das Erlernen des Klavierspielens erhöht sich der IQ im Mittel um vier bis sieben Punkte. Musizieren ist also hochgradiges und nachhaltiges Hirntraining.
Leider können wir die neuronalen Trainingseffekte auch mit den modernsten Tomografen noch nicht beim Menschen verfolgen. Aber wir wissen, dass Hirnareale effektiver arbeiten, wenn die Masse der Nervenzellen besser ummantelt ist und es zu intensiveren Verschaltungen kommen kann. Aus Beobachtungen an Tieren wissen wir, dass vor allem die Verdrahtung des Gehirns und die Gewichtung der Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, den Synapsen, sich in ihrer Verschaltungsstärke verändern können.
Menschliche Gehirne sind dafür gebaut, kulturell prägbar zu sein, wir haben Gehirnareale, die nur darauf warten, dass man eine Problemlösungs-Software dort installiert – wir sprachen ja bereits über den Gyrus angularis. Entsprechend sind wir auch zukünftig gewappnet, Neues zu lernen. Wir lernen allerdings auch dann nicht beliebig schnell, brauchen Übung und eine gute Instruktion, also in den Bildungseinrichtungen gute Lehrer und Lehrerinnen, um auch in neuen Zukunftswelten funktionieren zu können.
Vor allem im Schulkontext ist da noch viel zu verbessern. Statt stupide Fakten zu sammeln sollte viel mehr Wert auf kreative Lösungsstrategien gelegt werden. Die Kinder werden sich in Zukunft auf sehr schnelle Veränderungen einstellen müssen, z. B. große Informationsmengen zu verarbeiten, Stress zu bewältigen und neue Situationen schnell bewerten zu können. Dabei würde es helfen, wenn die Mustererkennung geübt würde. Bekannte Muster in einem großen Haufen von Information zu erkennen, das hilft ungemein bei der Orientierung und kann Lernprozesse beschleunigen.
Diese Mustererkennung fängt im Kindergarten an: Da sind es vielleicht optische Muster in Bildern, später in der Schule kann man auch komplexe Muster, etwa in Argumentationen, Strategien oder Naturphänomenen aufspüren. Auch in der Mathematik gibt es Lern-Algorithmen, die einen schneller ans Ziel führen.
Dabei spielt die Kreativität eine Rolle, also die Fähigkeit, nicht nur Neues zu kreieren, sondern das Neue auch gleich zu bewerten. Kreative Lösungen sind hochwertig und überraschend. Obwohl sich Hirnforscher schwer tun, Kreativität zu definieren, wissen wir doch, dass es die Triebfeder des Fortschritts ist. Das gilt für Einsteins Berechnungen zur Relativität genauso wie für geniale Schraubverschlüsse oder die Kreationen eines Chefkochs. Wir wissen aber, dass sich Kreativität im Stirnlappen vollzieht. Ist der beispielsweise durch einen Schlaganfall zerstört, ist die Kreativität eines derart geschädigten Chefkochs gleich null.
Durch Kreativität belohnen wir uns selbst, wenn wir auf eine überraschende Lösung eines schweren Problems kommen, und zwar mit gehirneigenen Drogen, ganz legal im Übrigen. Je überraschender die Lösung, je stärker die Belohnung.

Von Martin Korte, Professor für Neurobiologie. Er erforscht an der TU Braunschweig die zellulären Grundlagen von Lernen und Gedächtnis. Sein aktuelles Buch: „Wie Kinder heute lernen“, DVA 2009. Aus FOCUS Online, 12.10.2009
 


 

 

Lfd.

Nr.

Mio.

Jahre

Hominiden-Typus

 

     

   1

  5,2

Ardipithecus ramidus kadabba

   2

  4,4

Ardipithecus ramidus

   3

4,2-3,9

Australopithecus anamensis

   4

3,9-3,0

Australopithecus afarensis (Lucy)

   5

3,0-2,0

Australopithecus africanus

   6

2,5-1,8 Australopithecus rudolfensis

   7

2,6-2,3

Australopithecus aethiopicus

   8

2,1-1,1

Australopithecus boisei

   9

2,0-1,5

Australopithecus robustus

 10

2,4-1,5

Homo habilis

 11

1,8-0,3

Homo erectus (siehe Beitrag unten)

 12

0,5-0,1

Archaischer Homo sapiens sapiens

 13

0,2-0,1

Homo sapiens neandertalensis

 14

Ab 0,04

Moderner Homo sapiens sapiens

 

Nr. 10: Funde von primitiven Werkzeugen bei den Skeletten; Möglichkeit rudimentärer Sprache

Nr. 11: Gebrauch von Feuer und Steinwerkzeugen.

Nr. 13: Zusätzlich: Beisetzung der Toten in Höhlen mit Grabbeigaben (Ritzzeichnungen). Gute Großwildjäger.

Nr. 14: Ab ca. 40.000 v. Chr.: Hochentwickelte Werkzeuge, Höhlenmalereien, Plastiken, Musikinstrumente, Öllampen, später Pfeil und Bogen. 

 

 

 

 Folgende Kriterien waren bei der Beurteilung der Hominiden ausschlaggebend:

Zweibeinigkeit, aufrechter Gang, / Bau der Becken, -Bein- und Armknochen, / Gebiss: Größe der Zähne, / Kopf und Gehirn: - Form und Größe, / Gebrauch von Werkzeugen, Feuer und Entwicklung von Kunstgegenständen.

 

 

Beispiel Bewegungsapparat
 

Der menschliche "Bewegungsapparat" ist gutes Beispiel für die Evolution. In den afrikanischen Steppen hatten unsere Vorfahren die Wahl, entweder zu wachsen (was einen enorm höheren Nahrungsbedarf bedeutet hätte) oder den aufrechten Gang zu "lernen". Denn um vor Räubern einigermaßen sicher zu sein, mussten sie über das hohe Steppengras sehen können. Der aufrechte Gang ist an sich ineffektiv (das tut ja auch sonst kein Säugetier), weil man instabiler steht, als auf 4 Beinen, etc. Der Nebeneffekt des aufrechten Ganges aber war, dass die Hände "frei" waren, was zu einer im Tierreich nie dagewesenen Nutzung von Werkzeug führte. Und damit zu der Anforderung, das Denkorgan zu verbessern, um die Werkzeugnutzung zu perfektionieren. Das führte nach einigen Millionen Jahren zum intelligenten Menschen.

 

Der grundlegende Begriff der Selektion bezieht sich auf mehrere Phänomene:

  • Organismen interagieren mit ihrer unbelebten Umwelt.

  • Organismen verschiedener Arten interagieren beispielsweise aufgrund von Nahrungskonkurrenz oder in Form von Räuber-Beute-Beziehungen, als Parasit und Wirt oder als Symbiose miteinander. Jede Form der Interaktion kann sich auf die Entwicklung der Art auswirken.

  • Organismen der gleichen Art interagieren ebenfalls miteinander, zum Beispiel bei der Konkurrenz um Reviere, der Wahl von Fortpflanzungspartnern oder beim Ringen um soziale Rangordnungen etc.

 

Flexible Populationen

 

Im amerikanischen See Lake Washington verschiebt sich in der Stichlingpopulation das Verhältnis zwischen Individuen, die wehrhafte Panzerplatten tragen und solchen ohne diese „Rüstung“. Die Fische erlangen so eine Eigenschaft wieder, die sie wegen der starken Verschmutzung des Wassers verloren hatten.

Bis in die 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts flossen riesige Mengen Abwasser in den See und überdüngten ihn. Die Trübung durch das Abwasser und starkes Algenwachstum verschlechterten die Sichtverhältnisse bis auf gut 70 Zentimeter. Dreistachlige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus), die sich üblicherweise von Fressfeinden, zum Beispiel Forellen, verfolgt sehen, konnten sich nun viel besser verstecken.

 

In der Folge verloren sie die Knochenplatten, die sogenannten Schilde, die sie statt Schuppen als Schutz auf der Haut tragen. Ende der 60er-Jahre wiesen nur noch sechs Prozent der Fische die Knochenplatten auf. Als man damit begann, das Wasser des Sees zu reinigen, verbesserte sich die Sicht allmählich – zunächst auf etwa 3,5 Meter, später sogar bis auf 7,5 Meter. Bei einer Untersuchung der Stichlinge stellten amerikanische Biologen fest, dass mittlerweile 49 Prozent der Fische wieder komplett und 35 Prozent zum Teil von Knochenplatten überzogen sind.

In der natürlichen Stichlingpopulation kommen sowohl komplett beschildete und teilweise beschildete als auch schildlose Formen vor. Stichlinge, die kaum Knochenplatten aufweisen, leben ausschließlich im Süßwasser. Diejenigen mit vielen Knochenplatten sind marine Wanderformen. Da die Population im Lake Washington sowohl Gene von Süß- als auch Salzwasser-Formen trägt, ist sie flexibel genug, um sich an die drastisch veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

 

Viele Übergänge im Laufe der Evolution sind bereits gut durch Fossilfunde oder gar durch noch lebende Arten dokumentiert. Erst kürzlich wurde Tiktaalik vorgestellt, der Fisch, der an Land ging. Bei ihm sind anatomische Anlagen für wesentliche Merkmale von Landwirbeltieren vorhanden.

Das Schnabeltier ist ein Beleg für den Übergang der Reptilien zu den Säugetieren. Die Weibchen legen noch Eier, produzieren aber auch schon Milch, die die Jungen direkt von der Bauchdecke lecken. Zitzen haben Schnabeltiere noch nicht. Die Männchen hingegen produzieren ein Gift, das sie bei der Verteidigung mit ihrem Stachel an der Schwanzwurzel einsetzen und das dem von Reptilien ähnelt. Auch im DNA-Code zeigt sich die Verwandtschaft des kuriosen Tieres sowohl mit Reptilien als auch mit Säugetieren.

 

 

Rätselhafte Entwicklung des Homo sapiens

Die Säugetiere, die sich zunächst an Land entwickelten, eroberten sich anschließend auch das Meer als Lebensraum zurück. Dieser Übergang ist mittlerweile durch Fossilfunde und Genanalysen ebenso gut belegt wie die Entwicklung der Vögel aus Sauriern.

Bei der Evolution des Menschen und der Entstehung des Homo sapiens liegt noch vieles im Dunkeln. Anhand von Fossilfunden können Wissenschaftler derzeit noch keine eindeutige lineare Kette der zirka vier Millionen Jahre dauernden Entwicklungsgeschichte rekonstruieren. Vieles ist derzeit noch Spekulation. Die Paläoanthropologie bleibt mit Sicherheit noch lange eines der spannendsten Forschungsfelder.

(FOCUS) Online 01.12.2008

 

Ein kritischer Beitrag zur menschlichen Evolution

 

Homo erectus zeigt sich als variationsbreite Art
Von Andreas Jahn


Für den niederländischen Arzt Eugène Dubois war die damalige Kolonie Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien, der Inbegriff der Primitivität - und damit ideal. Hier sollte sich der von Ernst Haeckel vorausgesagte "Affenmensch" Pithecanthropus finden lassen. Und tatsächlich: 1891 grub Dubois in der Region Trinil auf der Insel Java eine menschliche Schädeldecke aus, für die er als Artnamen Pithecanthropus erectus vorschlug - zu deutsch: "aufrechter Affenmensch".

Fast vierzig Jahre später tauchten in einem Höhlenkomplex bei Peking weitere menschliche Überreste aus längst vergangenen Zeiten auf - zunächst nur ein paar Zähne, doch bis 1937 auch mehrere Schädel. Für den kanadischen Anatom Davidson Black genügten schon die ersten drei gefundenen Zähne, um eine neue Hominidenart zu kreieren: Sinanthropus pekinensis, der "Pekingmensch".

Nach und nach gerieten in Asien - und später auch in Europa - neue alte Knochen ans Tageslicht, die Zweifel an den bisherigen Artbeschreibungen weckten. In den 1950er Jahren schlug daher Ernst Mayr vor, den Javamenschen und den Pekingmenschen derselben Art zuzuordnen - und zwar innerhalb unserer eigenen Gattung Homo. Inzwischen hat sich diese Ansicht durchgesetzt: Dubois" Fund gilt heute als Typusexemplar für die Hominidenart Homo erectus.

Der "aufrechte Mensch" - der längst nicht der erste Hominide war, der auf zwei Beinen lief - erwies sich als wahres Erfolgsmodell der menschlichen Evolution. Er tauchte vor mindestens anderthalb, wenn nicht vor zwei Millionen Jahren auf und eroberte bis zu seinem Verschwinden vor vielleicht 500 000 Jahren fast die gesamte Erde. Nur in Afrika, wo er höchst wahrscheinlich herkam, sind die Nachweise seiner Existenz rar. Afrikanische Fossilfunde, die Homo erectus ähneln, werden von den meisten Anthropologen als zwar nahe verwandte, doch eigene Art namens Homo ergaster angesehen.

Doch im Sommer 2003 stieß in Kenia das Grabungsteam um den Paläontologen Richard Potts vom Washingtoner Naturgeschichtlichen Museum der Smithsonian Institution auf die Überreste eines fast eine Million Jahre alten menschlichen Schädels. Die Untersuchungen ergaben, dass KNM-OL 45500 - wie die Wissenschaftler ihren Fund bezeichneten - zur Art Homo erectus gehört haben muss.

Das allein könnte schon die wissenschaftliche Neugier befriedigen. Schließlich wäre es der erste Hominidenfund von der Grabungsstelle Olorgesailie, bei der seit 1942 zwar schon etliche menschliche Artefakte, aber noch keine menschlichen Knochen aufgetaucht sind. Die bisherigen Funde, vor allem Steinäxte, gehören zum Acheuléen, der Kulturstufe der Altsteinzeit, die vor etwa 1,5 Millionen Jahren in Afrika begann und bis vor 100 000 Jahren andauerte.

Für noch interessanter halten jedoch die Forscher die Größe des Schädels - oder besser gesagt: seine Kleinheit. Auf Grund anatomischer Merkmale schließen Potts und seine Kollegen, dass KNM-OL 45500 erwachsen, oder zumindest fast ausgewachsen war. Die Steinwerkzeuge von Olorgesailie müssen nach Ansicht der Anthropologen jedoch von größeren Individuen angefertigt worden sein. Die Schlussfolgerung: Hier lebten große und kleine Individuen zusammen; Homo erectus zeigt sich damit als morphologisch variables Wesen.

Und damit offenbart sich das große Problem der Anthropologen: Ihre Artbeschreibungen basieren auf äußerst spärlichen Funden, und wenn Individuen derselben Art unterschiedlich aussehen, können sie schnell zu neuen Arten deklariert werden. Schließlich ist die Verlockung groß, sich in der Wissenschaft durch die Beschreibung einer neuen Art oder gar Gattung ein Denkmal zu setzen. Es tauchen daher immer wieder neue Artbeschreibungen auf, die dann sogleich von den Kollegen heftigst angegriffen werden. So zählen manche Anthropologen auch die Spezies Homo ergaster, Homo antecessor und Homo heidelbergensis zu Homo erectus.


Wer oder was war nun Homo erectus? Eine klar definierte Art oder, wie es Jeffrey Schwartz von der Universität Pittsburgh zuspitzt, "eher ein historischer Unfall als eine biologische Realität"? Nur neue Funde könnten den Streit um den "aufrechten Menschen" etwas entschärfen. (Anm.: Was jedoch zu keinen Zweifeln an seiner Existenz Anlass gibt).
Die Zeit, spektrumdirekt / Quelle: Science 305: 75-78 (2004)

 

 

      

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

                               

 

 

 

                 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                            

 

 

                       

 

                        

 

 

                                Afarensis              Africanus              Rudolfensis      Aethiopicus

 

                          Boisei                    Erectus               Neandertalensis   Sapiens sapiens

 

 

 

 

Siehe auch:

http://www.oekosystem-erde.de/html/mensch.html

http://www.youtube.com/watch_popup?v=MrqqD_Tsy4Q

 

     

 

  

 

 

 

Mehr zu den Grundlagen und Voraussetzungen für eine Evolution? Pater Coyne hilft weiter. Bitte sein Bild anklicken!

 

 

Merke: Wir brauchen Gott nicht, um das Universum zu erklären, so wie wir es heute sehen. Denn wir können diese Werte mit derselben Gewissheit angeben, mit der wir unsere Körpergröße kennen, weil wir die Gesetze der Physik, der Mathematik, der Chemie und der Biologie anwenden können.

(Der amerikanische Astrophysiker, Jesuitenpater  GEORGE V. COYNE, ehemaliger Leiter des Observatoriums im Vatikan).

 

 

 

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